14. März 2022
Allgemein

Melodischer Pop-Rap made in Querenhorst

Der junge Musiker nennt sich Nils Ost und verarbeitet sein Leben in seinen Songs

Nils Ost beim Einsingen. Foto: Erik Beyen

Von Erik Beyen

Querenhorst. Die Corona-Pandemie hinterlässt Spuren, sichtbare, fühlbare und jene, die sich tief in der Seele eines Menschen verstecken. Auch Nils Ostendorp aus Querenhorst kann davon ein Lied singen, und er tut das auch. Als Nils Ost hat sich der 22 Jahre alte Versicherungskaufmann der Musik verschrieben, genauer, dem melodischen Pop-Rap.

Während der Pandemie, erzählt er bei einem Lokaltermin in seinem Studio, habe sich herausgestellt, wo die wahren Freunde sind, ein Thema, das er in seinem Song „Karma“ auf seine ganz eigene Weise verarbeitet. Am 29. Juli eröffnet er das Aerie-Festival in Querenhorst. Bis dahin steht sein neuer Song: „Träne“.
Musik, erzählt Nils Ost, habe ihn schon immer begleitet. Als Kind war er mit einem Freund sogar in der Vorrunde des Wettbewerbs „DSDS Kids“. Das war 2012. Vor die Juroren haben es die beiden Jungs nicht geschafft, aber die Bühne blieb Nils nicht verwehrt. Als Sänger war er Teil der Schulband der Giordano-Bruno-Gesamtschule in Helmstedt. „Ich kann mich nicht erinnern, einmal nicht Musik gemacht zu haben“, so Nils Ost. Bei ihm heißt das: Er kann sich nicht erinnern, mal nicht gesungen zu haben, denn ein Instrument spielt er nach eigenem Bekunden nicht. „Das habe ich aber noch im Auge.“ Dann soll es das Piano sein. „Das ist für mich das schönste Instrument der Welt“, schwärmt er.

Viel Gefühl

Nils Ost ist ein empfindsamer Mensch, zuweilen verletzlich. „Ich denke viel nach“, erzählt er, und schreibt kleine Songs. Es sind die Dinge, die ihn bewegen, die er erlebt. In seinen Songs vergibt er Rollen: „Mann und Frau“, sagt er, aber es geht eben nicht um die Geschlechter, nein, es geht um das Zwischenmenschliche, um Verletzungen. In „Karma“ etwa nimmt er die Rolle des Mannes ein, das weibliche Geschlecht steht für die wahren Freunde. Allein diese Konstellation steht auf der einen Seite für eine intensive Beziehung, zugleich aber für deren Verletzlichkeit. Es ist die Leichtfertigkeit, mit der Nils Ost in „Karma“ ins Gericht geht, und: „Am Ende wird das Karma auf sie zurückfallen“, ist er sich sicher, also auf jene, die Freundschaft für eine Ware halten.
Seine Songs verbreitet er über Spotify und Youtube. Zwei kann man bereits hören und sehen. Die Beats kauft er ein, und legt seine Melodien und Verse darüber. Für ganz eigene Beats, sagt er, fehle ihm im Moment noch die Zeit. Aber auch das komme ganz sicher noch, schiebt er hinterher. Ein Stilelement fällt bei seinen Songs sofort auf. Er nutzt es mit Bedacht: Autotune. Auch für sein neues Lied „Träne“, das im April veröffentlicht wird, nutzt er es. Dabei ist seine Stimme weich, klar, für Rap beinahe etwas zart. „Mir gefällt dieses Stilmittel unserer Zeit einfach, und ich finde, es passt gut zu den Songs“, sagt er. Ganz abgesehen davon: Eigentlich könne man seine Musik nicht so recht einem bestimmten Genre zuordnen. Melodischer Pop-Rap komme der Sache aber schon nahe.

Fans in Hamburg

Nils Ost singt für sich und für die Menschen. Darum hält er mit seinen Intentionen, seinen Gefühlen, die in den Songs stecken, eher hinter dem Berg. „Die Lieder können meinen Zuhörern vielleicht auf ihre Weise helfen“, hofft er. Jeder interpretiere ein Lied ganz individuell und verbinde es so mit eigenen Erlebnissen oder Gefühlen. Und das tun ganz offenbar schon recht viele Menschen. Die meisten Streams über Spotify kommen übrigens aus dem Raum Hamburg. „Das wundert mich schon etwas“, schmunzelt Nils Ost. Im Juli kann er das aktiv ändern, denn er betritt die große Bühne des Aerie-Festivals als erster Künstler. Heimspiel? „Na ja, ich will zeigen, wer ich bin, und hoffe, meine Reichweite vergrößern zu können.“ Für seinen weiteren musikalischen Weg wäre das hilfreich. Noch sei alles Hobby, ein teures, aber eben ein Hobby, aber: Er könne sich durchaus vorstellen, so richtig einzusteigen. Aber das müsse die Zeit bringen. Eines werde sich nie ändern: Seine Liebe gilt der Familie, den Freunden und seinem Querenhorst. „Hier wird niemand diskriminiert, es ist harmonisch, jeder ist für jeden da. Ich bin hier superglücklich“, schwärmt er. Vielleicht ist der kleine Ort ja einst Thema in einem seiner Songs.
Übrigens: Die Eule Aerie, die dem Festival in Querenhorst das Gesicht gibt, muss nun neu besetzt werden. Im Kostüm steckte einst Nils Ost. Wer mal reinhören und -schauen will. Einfach bei Youtube Nils Ost und Karma eingeben.

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