12. März 2022
Verkehr

Tanken ist so teuer wie nie zuvor

Wie weit wird der Preis für Kraftstoff noch steigen? – Schwere Belastung für Pendler

Diesel ist momentan sogar noch teurer als Super. Foto: Birgit Wiefel

Helmstedt. Steigende Spritpreise und keine Ende in Sicht. Insbesondere für Pendler wird das Portemonnaie immer dünner. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik lagen die Kraftstoffpreise bundesweit flächendeckend über zwei Euro. Laut ADAC kostete Superbenzin der Sorte E10 zu Wochenbeginn im Tagesdurchschnitt 2,008 Euro je Liter, bei Diesel waren es 2,032 Euro. Da klingt die Textzeile aus Markus’ 80er-Song „Und kost’ Benzin auch 2 Mark 10…“ schon fast zynisch.

Fast 25 000 Helmstedter sind auf ihr Auto angewiesen, um zur Arbeit zu kommen, das sind – so aktuelle Zahlen aus dem Pendleratlas der Bundesagentur für Arbeit – 65 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die den Landkreis verlassen, um größtenteils in Wolfsburg oder Braunschweig zu arbeiten. Im Bundesdurchschnitt sind das lediglich 39 Prozent.
Selbst Fachleute wie Johann Thiele, Geschäftsführer der MHB Mineralölgesellschaft mit Sitz in Braunschweig, können sich an keinen vergleichbaren Preissprung erinnern. „Auch meine Mitarbeiter mussten sich erst daran gewöhnen, dass eine zwei vor dem Komma steht“, sagt er.

Noch nie dagewesen

Nein, einen solche Preisexplosion hat Johann Thiele in seinem bisherigen Berufsleben noch nie erlebt. Der 38-jährige ist Geschäftsführer der MHB Mineralölhandel GmbH aus Braunschweig, betreibt in der ganzen Region Tankstellen und Autowaschanlagen – und kommt nach drei Sätzen ins Politisieren. Zu nah gehen ihm die Bilder, die im Moment täglich aus der Ukraine zu uns gelangen.
Was sich gerade weltweit auf den Märkten und direkt vor Ort an den Zapfsäulen abspielt, trifft auch ihn bis ins Mark. Denn neben den Tankstellen der Big Player beliefert er noch eigene, freie Servicestationen. „Im Moment fahren wir dort nur Verluste ein, da wir die Preise, die wir im Einkauf bezahlen, noch gar nicht an den Kunden weitergeben haben.“

Kunden fluchen nur leise

Licht am Ende des Tunnels sieht er noch nicht. Erst diese Woche verkündete Shell, ab sofort keine Geschäfte mehr mit Russland zu machen und den Handel mit Diesel und Heizöl auch in Deutschland einzuschränken. „Das führt natürlich zu einer zusätzlichen Verknappung“, weiß Thiele. Zugleich sind die Sanktionen für ihn alternativlos. „Nur tausend Kilometer von hier sterben Menschen, da haben wir eine moralische Verpflichtung“, sagt er fest. Mehr noch: Wenn es nach ihm ginge, könnten die Maßnahmen noch tiefgreifender ausfallen. „Dieses Zaudern und Zögern, das bringt doch nichts. Lieber jetzt eine harte Zeit von vielleicht drei bis vier Wochen, als ein permanenter Brandherd der zu Millionen von Flüchtlingen führt.“ Thiele glaubt nicht, dass der Handel mit Russland komplett zum Erliegen kommt, wenn Deutschland jetzt den Hahn zudrehen würde. „Ich bin kein Experte, aber ich denke, dass die Kontakte nach einem Ende des Krieges wieder aufgenommen werden. Russland ist abhängig vom Ölexport.“

Die Stimmung an den Zapfsäulen sei noch gemäßigt. Der Ärger über die Preiserhöhungen halte sich in Grenzen, hat Thiele beobachtet. „Die Kunden schütteln zwar den Kopf, fluchen leise, aber keiner meiner Mitarbeiter wird angegangen. Es ist klar, dass wir die Erhöhung nicht aus Kalkül machen, am Ende sitzen wir alle im gleichen Boot.“ Eine Ende der Fahnenstange sieht er allerdings nicht. „Auch die Lebensmittel werden sich verteuern, denn die Lkw, die diese transportieren, fahren auch mit Diesel.“
Einen guten Rat zu geben, fällt deshalb schwer in dieser Zeit. „Nutzen Sie die Preis-App, vergleichen Sie, wo Sie noch am günstigsten tanken können – und versuchen Sie möglichst viele Wege mit dem Fahrrad zu machen, denn ich kann nicht versprechen, dass die Preise in den drei Wochen wieder auf Normalniveau sind“, sagt Johann Thiele.

 

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