5. März 2022
Allgemein

Vollbracht: Die alte Schale ist dort, wo sie hingehört

Museumshof hat eine etwa 4000 Jahre alte Schale an das Museum August Kestner übergeben

Christian Loeben (l.) vom Museum August Kestner nimmt die Schale von Gabriele Lohrengel entgegen. "Finder" Stefan Brosze freut sich über das gute Ende der Geschichte. Foto: Beyen/Archiv

Grasleben (red). „4000 Jahre ohne Knitter und Falten. Das schaffen Sie nicht“, sagte Gabriele Lohrengel vom Verein „Der Markgrafsche Hof, Museum Grasleben“ dieser Tage im Museum an der Helmstedter Straße. Sie sagte es lachend, und man konnte ihre Erleichterung spüren. Denn an diesem Tag nahm die Geschichte um eine unscheinbare Schale von unschätzbarem ideellen Wert ein gutes Ende.

Es geht um eine etwa 4000 bis 5000 Jahre alte Schale aus Nilton aus dem Mittleren Reich, ein üblicher Gebrauchsgegenstand in Theben zu Zeiten der 11. und 12. Dynastie. Christian Loeben vom Museum August Kestner in Hannover nahm das kleine Stück Menschheitsgeschichte in seine Obhut. Jetzt ist die Schale, deren Geschichte mit schier unendlich vielen weiteren Geschichten und historisch bedeutsamen Momenten verknüpft ist, wieder dort, wo sie hingehört: in der Ägyptischen Sammlung des Museum in Hannover.

Für das Museum in Grasleben begann die Geschichte 2020. Echte Museumsarbeit haben sie in Grasleben geleistet, als der temporäre Besitzer der Schale, Stefan Brosze, auf Gabriele und Heinrich Lohrengel zukam, um mehr über selbige zu erfahren. Er hatte sie von seiner Mutter geerbt, die ein eher seltsames Verhältnis zu dieser Schale gehabt haben muss, was den Sohn Jahrzehnte später noch umtrieb. Tatsächlich war es wohl Broszes Tante, die ab 1943 für die Reichsversicherungsanstalt im Steinsalzwerk Grasleben arbeitete. Dorthin waren die Rentenakten der Deutschen in Sicherheit gebracht worden. Ein Jahr später wurden auch die ägyptische Sammlung des Museum August Kestner sowie Ausstellungen verschiedener Berliner Museen im Salzstollen eingelagert. Es ist wahrscheinlich, dass die Schale so nach Grasleben gekommen sein muss. Wie sie 1946 sozusagen als Geschenk der Tante an die Mutter von Stefan Brosze gelangte, bleibt unklar.

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