11. Dezember 2021
Wirtschaft

„Fast täglich neue Änderungen“

Dehoga-Vorsitzender Florian Hary sieht die Gastronomie in seinem Bezirk kalt erwischt

In der Gastronomie können derzeit unterschiedliche Regelungen zur Anwendung kommen. Foto: imago images/Bihlmayerfotografie

Von Erik Beyen
Helmstedt. Die Gastronomen im Landkreis Helmstedt wissen nicht mehr weiter und sind inzwischen mit ihrer Geduld am Ende. So geht es aus einer Pressemitteilung des Vorsitzenden des Dehoga-Bezirksverbandes Braunschweiger Land Harz, Florian Hary, hervor. Demnach ist die Gastronomie vom „Verordnungschaos“ kalt erwischt worden. Und: Ganz offensichtlich haben etliche Betriebe das Überbrückungsgeld III noch nicht bekommen und müssen sich bereits mit dem Überbrückungsgeld III Plus befassen. Alles äußerst unbefriedigend, wie Florian Hary meint.

Florian Hary und seine Mitarbeiterinnen Diana Walter und Manuela Rabe im Bahnhofsbistro, das er vor einigen Monaten neu eröffnet hat. Foto: Jürgen Paxmann

Was genau er meint, verdeutlicht Hary so: „Fast täglich kommen neue Änderungen und Ergänzungen der Verordnungen, einmal fällt zu „sofort“ bei Geboosterten das Testen weg, dann heißt es, ab Sonnabend dürft ihr bei 70 Prozent Auslastung sowieso ohne Test – also nur noch 2G – im Innenbereich haben.“ Das könne niemand mehr nachvollziehen, sorge es doch mehr für Verunsicherung als für ein Gefühl der Sicherheit. „Natürlich ist jede Erleichterung für uns sinnvoll und gut, aber wie stellt sich die Politik das vor? Wir haben unser Weihnachtsgeschäft verloren, teilweise über 80 Prozent Stornierungen, die kommen doch jetzt nicht wieder, nur weil wir über Nacht neue Regelungen haben“, schimpft der Gastronom.

Und er wird noch deutlicher: „Traurig daran ist, dass die Landesregierung erst einmal pauschal alles platt macht und dann feststellt, dass es an der einen oder anderen Stelle zu viel war. Die Nachbesserungen, die dann kommen, sind gut gemeint – aber zu spät.“ Hinzu kommt: Die Menschen haben aus Harys Sicht schlichtweg wieder Angst bekommen, auszugehen. Weil sie von immer mehr Coronafällen auch im näheren Umfeld hörten, würden sie daheim bleiben, um sich vor Weihnachten nicht noch selber zu infizieren.

Ein Chaos kommt selten allein, und so gesellt sich zum Verordnungswirrwarr das altbekannte Thema der Überbrückungshilfen. Gemäß Hary warten manche Betriebe nach wie vor auf ihr Überbrückungsgeld III und müssen sich bereits mit dem Überbrückungsgeld III Plus beschäftigen. Es gebe zwar Betriebe, die einen Puffer erwirtschaften konnten, aber eben nicht alle, und auch ein Puffer sei irgendwann einmal verbraucht. Und damit nicht genug: Wirtschaftliches Arbeiten ist kaum mehr möglich, aber aktuell müssen die Betriebe geöffnet haben, um Ausfälle erstattet zu bekommen. So sehen es demnach die Zugangsvoraussetzungen vor.
Immerhin: Einen positiven Aspekt sieht Florian Hary trotz aller Kritik: Die Testkapazitäten in Helmstedt und andernorts seien schnell wieder hochgefahren worden. Das helfe. Dennoch: Die Kurzsichtigkeit in Sachen Verordnungen gepaart mit der fehlenden Chance auf wirtschaftliches Handeln habe den Geduldsbogen der Gastronomen jetzt überspannt.

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