13. November 2021
Sport

Impfthema überschattet Quali-Spiele

Bundestrainer Flick in Erklärungsnot – DFB-Elf kann Quarantäne-Ausfälle trotzdem verkraften

Bundestrainer Hansi Flick war in dieser Woche zu Gast in Wolfsburg. Foto:   Darius Simka/regios24

Wolfsburg (red). Die galoppierende Corona-Inzidenz und die Impfdurchbrüche beschäftigen längst auch die Nationalmannschaft. Kurz nach der Anreise in Wolfsburg warf der positive Covid-19-Test des vollständig geimpften Niklas Süle die Planungen für die beiden abschließenden WM-Qualifikationsspiele gegen Liechtenstein (bei Redaktionsschluss nicht beendet) und drei Tage später in Armenien durcheinander. Unter anderem musste sich der ungeimpfte Joshua Kimmich in Quarantäne begeben.

Wieder mal stolpert die wichtigste Fußball-Mannschaft des Landes so mitten in eine große gesellschaftliche Debatte, die sich darum dreht, ob die Impfquote durch Zwangsmaßnahmen erhöht werden sollte. Bislang versuchen die Meinungsführer im Fußball in der Regel, an der Diskussion über einen Impfzwang vorbei zu schlittern. Konfrontiert mit der Frage rutscht Hansi Flick in seinem Stuhl umher, begutachtet seine Fingernägel, schließt dann aber zumindest nicht aus, demnächst den Impfstatus eines Profis bei der Nominierung zu berücksichtigen. Darüber mache er sich Gedanken nach dem Lehrgang, meint der Bundestrainer. Grundsätzlich dürfe man Menschen, die sich nicht impfen lassen, nicht verurteilen. „Trotzdem ist die Impfung für mich der einzige Weg aus der Pandemie.“

Zwar kann Flick die Quarantäne-Ausfälle in dieser Woche verkraften. Deutschland ist von Platz eins nicht mehr zu verdrängen, die Teilnahme an der Winter-WM in Katar steht fest. Doch im nächsten Jahr beginnt für die Nationalmannschaft die Vorbereitung auf die Großveranstaltung, die am 21. November 2022 in dem Golfstaat beginnt.

Gerade Joshua Kimmich soll einer der Schlüsselspieler bei diesem Turnier sein. Deswegen stellt es den Bundestrainer vor Probleme, wenn er mit dem Mittelfeldspieler je nach Pandemie-Entwicklung kaum planen kann, weil Kimmich immer wieder eine Isolation droht. „Ich hoffe, dass es solche Themen, dass wir fünf Spieler nach Hause schicken müssen aufgrund von Corona, nicht mehr gibt, das würde ich mir wünschen“, erklärt Flick.
Jetzt aber muss der 56-Jährige erst mal improvisieren. Für Süle dürfte Matthias Ginter gemeinsam mit Antonio Rüdiger verteidigen. Kimmich könnte Ilkay Gündogan im defensiven Mittelfeld vertreten. Für Gnabry stünde Marco Reus bereit. Julian Draxler, gerade erst wieder berücksichtigt, fällt hingegen kurzfristig aufgrund einer Muskelverletzung aus.

Das Sportliche rückt derzeit jedoch ohnehin in den Hintergrund. Auch als sich Thomas Müller am Mittwoch nach Hansi Flick vor die Journalisten setzt. Schon vor zwei Wochen hat sich der Nationalspieler während der Kimmich-Debatte für eine Impfung ausgesprochen. Nun sagt er, dass man die Auswirkung der Quarantäne-Fälle nicht überdramatisieren dürfe, „damit ist die ganze Gesellschaft konfrontiert“. Recht hat er.

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