11. September 2021
Wirtschaft

Freisprechung vor einmaliger Kulisse

Die Kreishandwerkerschaft zelebrierte die Tradition nach anderthalb Jahren Pause erstmals unter freiem Himmel

Kreishandwerksmeister Martin Bauermeister (v. l.) , Sophie Wehke, Innungsbeste der Tischler-Innung, Carolin Hahn, Innungsbeste der Bäcker-Innung, Fachbereich Bäcker, sowie Claudius Nitschke von der Kreishandwerkerschaft Helmstedt-Wolfsburg. Es fehlt: Suzanna Metsahel, Innungsbeste Bäcker-Innung, Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk, Bäckerei. Foto: Erik Beyen

Mariental. Was war das für eine Kulisse. Bei bestem Wetter lud die Kreishandwerkerschaft Helmstedt-Wolfsburg am vergangenen Samstag zur Freisprechung in den Innenhof des alten Zisterzienserklosters Mariental. Ein beeindruckender Ort ist das und genau richtig für die Ehrung beeindruckender Leistungen.

Nach anderthalb Jahren Zwangspause war dies die erste Freisprechung. 37 junge Gesellinnen und Gesellen aus zehn Gewerken wurden feierlich aus ihren Rechten und Pflichten, die sie mit ihren Ausbildungsverträgen eingegangen waren, entlassen. Die Begrüßung übernahm Kreishandwerksmeister Martin Bauermeister. Festreden hielten der Präsident der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade Detlef Bade, der erste stellvertretende Landrat Rolf-Dieter Backhaus sowie Pfarrerin Silvia Koch-Barche. Den musikalischen Rahmen besorgte das Bläserensemble Tubicinum.

Kloster und dazugehörige Domäne befinden sich im Eigentum der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz. Bewirtschaftet wird die Anlage von der Pächterfamilie von Dewitz, mit deren Segen die Freisprechung auf historisch bedeutsamem Grund stattfinden konnte, an diesem Tag von der Inszenierung noch einmal unterstrichen. An der Wand zur Klosterkirche waren die Banner der Gewerke zu sehen, während die Protagonisten und ihre Gäste auf Stühlen auf der Rasenfläche Platz nahmen – alles den zu diesem Zeitpunkt gültigen Regeln entsprechend. Einen enormen Aufwand hatte das Team um Claudius Nitschke da getrieben. Jeder Gast musste registriert werden, was zugleich aber ein Stück Zuwendung mit sich brachte, denn ein jeder wurde persönlich empfangen. Und trotz dieser Formalitäten: Der Nachmittag hatte Würde und Geselligkeit – nach dem offiziellen Akt bei Sekt und Orangensaft.

Insgesamt waren 43 Auszubildende zur Gesellenprüfung angetreten. 37 von ihnen bestanden die Prüfungen. „Das entspricht einer Quote von 86 Prozent. Angesichts der Bedingungen, unter denen die Prüfungen stattgefunden haben, eine sehr gute Leistung“, lobte Claudius Nitschke, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Helmstedt-Wolfsburg.

Martin Bauermeister rief die jungen Gesellinnen und Gesellen dazu auf, Verantwortung für den weiteren Nachwuchs zu übernehmen. „Bitte sehen Sie dies nicht als Belastung sondern als Lust“, sagte Bauermeister. Die neuen Gesellinnen und Gesellen seien nun qualifizierte Handwerker, eine wichtige Säule der Gesellschaft. Zum Ende seiner kurzen Ansprache lobte er die Leistungen der jungen Menschen und lud alle Gäste ein, sich im Anschluss an die Festlichkeit die Klosteranlage genauer anzusehen. Ein guter Gedanke, denn diese Anlage ist Zeugnis echter und ursprünglicher Handwerksgeschichte.

Detlef Bade nahm die Politik in die Pflicht. Diese müsse dem Handwerk mehr Wertschätzung entgegenbringen, damit Ausbildung im Handwerk interessant bleibe. Nur der Nachwuchs sichere den Fortbestand. Den Anwesenden rief er zu: „Sie sind die Praktiker der Zukunft. Ihnen stehen viele Wege offen.“ Natürlich wünschte er sich, dass möglichst viele der Freigesprochenen dem Handwerk treu bleiben.

Rolf-Dieter Backhaus erzählte die Geschichte eines Gesellen, der für seinen Herrn ein Haus bauen sollte, sich aber wenig Mühe gab. Letztlich war das Haus für ihn selber. Es war ein Wink in Sachen guter Tugenden, wie Fleiß und Aufrichtigkeit. Die Geschichte basiert auf dem biblischen Gleichnis von den anvertrauten Talenten.

Pfarrerin Silvia Koch-Barche wünschte den erfolgreichen Frauen und Männern die Kraft, auch nach Niederschlägen immer wieder aufstehen zu können. Das, sagte sie, sei die eigentliche Aufgabe im Leben.

Vor der feierlichen Übergabe der Gesellenbriefe, ehrte die Kreishandwerkerschaft die Innungsbesten: Sophie Wehke von der Tischlerei Meyer & Comp. GmbH & Co. KG in Velpke (Tischler-Innung Helmstedt) sowie Carolin Hahn und Suzanna Metsahel von der Mövenpick Stadtbrücke Wolfsburg (Bäckerei-Innung).

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