30. Mai 2021
Menschen

Models mit eigenem Kopf

Stefan Holzinger arbeitet als Tierfotograf in der Region

Das Wesen der Tiere im Bild zu erfassen ist Stefan Holzingers Anspruch. Foto: Stefan Holzinger

Region. Wenn er Glück hat, gehorchen ihm die Models aufs Wort. Aber es gibt auch die mit dem eigenen Kopf. Die, die nicht „Sitz“ und „Platz“ machen. Dann muss Tierfotograf Stefan Holzinger alle Register ziehen. Und vor allem viel Geduld haben.

Sein Nebenjob ist für ihn ein wunderbarer Ausgleich zu seinem Beruf. „Ich wollte immer etwas Kreatives machen“, sagt der 3-D-Modelleur, der im Automobilbereich unterwegs ist. Dafür holte er vor knapp zehn Jahren seine Kamera hervor, die lange unbenutzt in der Ecke gelegen hatte. „Die ersten Tierfotografien machte ich für Bekannte“, erinnert er sich etwa an Spencer, eine französische Bulldogge, die leider nur ein kurzes Leben hatte.

Die Tierfotografie ist für Stefan Holzinger ein Ausgleich zu seinem Hauptberuf. Foto: privat

Griff in die Trickkiste

Schnell merkte der heute 43-Jährige: Das macht ihm Spaß. „Klar, ist das Fotografieren von Tieren anders als von Menschen. Man kann nicht sagen: ‘Dreh dich mal nach links, hebe mal den Kopf’. Man muss schon sehr flexibel sein“, sagt Holzinger. Kein Shooting sei deshalb wie das andere. „Hunde sind meist unproblematischer, wenn es darum geht, eine bestimmte Position zu halten, denn im besten Fall gehorchen sie den Befehlen ihrer Besitzer.“ Anders Katzen. Sie lassen sich nicht so einfach dirigieren. Dann muss Holzinger zusammen mit den „Dosenöffnern“ in die Trickkiste greifen. „Über Geräusche bekommt man schnell die Aufmerksamkeit, die man fürs perfekte Foto braucht.“ Ein raschelnde Tüte, ein Hundebellen vom Smartphone, das Lieblingsspielzeug oder Leckerlies – und die Ohren der Vierbeiner spitzen sich.

Katzen lassen sich beim Fotoshooting nicht dirigieren. Foto: Stefan Holzinger

Das Wesen erfassen

Wichtig, so Holzinger, ist, den Charakter des Tieres einzufangen. „Der Besitzer oder die Besitzerin müssen am Ende das Tier wiedererkennen. Sie bestimmen deshalb auch die Marschrichtung.“ Und: Wichtig sei auch, dass sich das Tier wohl fühlt. Wenn nötig, bietet Stefan Holzinger ein Outdoor-Shooting vor Ort an oder reist mit einem professionellen mobilen Studio an. „Am Anfang haben die Shootings eine Stunde und mehr gedauert“, erinnert er sich lachend. Inzwischen hat der Braunschweiger ein Auge für bestimmte Situationen und kann unterschiedliche Zeitrahmen anbieten: Von 15 Minuten, wenn nur ein paar Bilder gewünscht werden, bis zu einer Stunde für ein aufwendigeres Shooting.
Gibt es eine Tierart, die er ganz besonders gerne mag? „Nein“, sagt Holzinger. „Auf ihre Art sind alle Tiere toll – auch, wenn große Kaliber wie Pferde Fotografen vor ganz eigene Herausforderungen stellen.“

Herz für Notfellchen

Stefan Holzinger wäre nicht Stefan Holzinger, wenn er seinen vierbeinigen Models nicht auch etwas zurückgeben würde. „Nicht alle haben ein schönes Zuhause“, denkt der Braunschweiger an die Tierheim-Tiere. Seit Gründung von Fellnasenshooting.de im Jahr 2014 hat er deshalb bereits unzählige Vereine und Organisationen mit Vermittlungsfotos, Postkarten, Flyern bis hin zu Aufklärungsbildern zum leidigen Thema Echtpelz unterstützt. „Es ist viel Zeit und Arbeit, die ich ehrenamtlich aufbringe – doch jede Minute davon hat sich gelohnt.“
Mehr Infos zu Stefan Holzinger stehen auf seiner Internetseite.

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