2. Mai 2021
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Geflügelpest auf dem Rückzug: Stallpflicht gilt aber weiter

Wann das Federvieh seine Ställe wieder verlassen darf, ließ der Kreisveterinär offen

So wie hier vor zwei Jahren können Jaro, Emma und Rieke nicht am Hühnermobil von Landwirt Christoph Löhmann in Süpplingen spielen. Die Hühner müssen im Stall bleiben. Archivfoto: Beyen

Helmstedt. Die Geflügelpest oder auch Vogelgrippe ist auf dem Rückzug. Darum hat der Landkreis Helmstedt in seinem Amtsblatt Nummer 24 im 74. Jahrgang vom 20. April ein Ende des Beobachtungsgebietes verkündet. Die Aufhebung greift bereits, weil sie mit dem Tag der Veröffentlichung gilt. An die frische Luft darf das liebe Federvieh aber nach wie vor nicht. Die Stallpflicht bleibt gemäß Erklärung vorerst bestehen.

107 Geflügelbestände befanden sich im Beobachtungsgebiet, drei davon als Gewerbe angemeldet. Die gut Nachricht: Keiner von ihnen hat sich die Vogelgrippe eingefangen. Der Subtyp H5N8 war am 1. März auch bei einer verendeten Wildgans in Beienrode festgestellt worden, vorher war das Virus bereits im Landkreis Wolfenbüttel bestätigt worden. Unter den Geflügelbeständen konnte sich das Virus demnach nicht ausbreiten, denn der Landkreis verhängte eine sofortige Stallpflicht für Hühner, Enten, Gänse sowie Trut-, Perl- und Rebhühner aber auch Wachteln, Fasane und Laufvögel. Stallpflicht bedeutete in diesem Fall, entweder Stall oder aber eine überdachte Fläche, die von allen Seiten vor Wildvögeln geschützt ist.

Auf Anfrage erklärte der Kreisveterinär Hans-Jürgen Thoms den Grund für die fortgesetzte Stallpflicht: „Die Risikoeinschätzung des FLI (Friedrich Löffler Institut) liegt derzeit bei ‘mäßig’, nicht mehr bei ‘hoch’. Trotzdem besteht nach wie vor die Gefahr, dass insbesondere Wildvögel die Aviäre Influenza in Geflügelbestände übertragen können.“ Zu einer Prognose bezüglich eines Endes der Stallpflicht ließ sich Thoms nicht hinreißen, erklärte vielmehr: „Ein definitives Datum kann derzeit nicht genannt werden. Es bleibt die Lageentwicklung abzuwarten.“

Mit der Stallpflicht haben insbesondere Landwirte ein Problem, die Freilandeier verkaufen. Zwar gilt mit dem Ende des Beobachtungsgebiets auch kein Verkaufsverbot von Eiern und anderen Geflügelprodukten aus dem Gebiet mehr (hier gab es Ausnahmeregelungen) aber: Die Stallpflicht zwingt die Hühnerscharen nach wie vor in die Behausungen. 16 Wochen lang dürfen Freilandeier im Rahmen einer Aufstallungspflicht noch als Freilandeier verkauft werden. Danach müssen sie etwa zu Eiern aus Bodenhaltung umgezeichnet werden. Den Haltern drohen dadurch neben Zusatzkosten deutliche Umsatzeinbrüche.

Auf eine ergänzende Anfrage unserer Zeitung bezüglich möglicher Fristen, eines Ermessensspielraums oder konkreter gesetzlicher Vorgaben für ein Ende der Stallpflicht differenzierte Kreisveterinär Hans-Jürgen Thoms: „Hier darf man nichts durcheinanderbringen. Ein Beobachtungsgebiet wird unter anderem gebildet, wenn, wie in unserem Falle auch, bei Wildvögeln die Aviäre Influenza nachgewiesen wurde, diesmal im Landkreis Wolfenbüttel. Wie sollte man auch bei Wildvögeln eine Bekämpfung durchführen?“ Die Stallpflicht hingegen diene dem Schutz des Wirtschaftsgeflügels. Klare Vorgaben wie Fristen seien „schlechterdings“ nicht gegeben. Man könne die Entwicklung einer Seuche schlichtweg nicht vorhersagen. Daher müsse die Behörde sich mit ihren Entscheidungen an der Entwicklung der Gesamtlage orientieren.

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