Corona: Lerndefizite auffangen - Neue Helmstedter
20. März 2021
Menschen

Corona: Lerndefizite auffangen

Das Helmstedter Gymnasium Julianum bietet in den Osterferien an vier Tagen ein freiwilliges Förderprogramm an

Die Corona-Pandemie hat das Leistungsgefälle unter Schülern stark vergrößert. Das Gymnasium Julianum möchte Defizite mit einem Förderprogramm auffangen. Symbolfoto: unsplash/oh

Helmstedt. Ein Jahr Ausnahmezustand hat Spuren bei Schülerinnen und Schülern hinterlassen. Die meisten seien ganz gut durchgekommen, sagt Manuela Marschall, Mittelstufenkoordinatorin am Helmstedter Gymnasium Julianum, aber: „20 bis 30 Prozent haben schon Probleme, sich selbst zu organisieren und strukturiert zu arbeiten“, so die Studiendirektorin.

Das schlage sich in den Leistungen nieder. Um diese Kluft zu schließen, bietet das Julianum ein Förderprogramm in den Osterferien an. Freiwilliger Unterricht in Modulen mit bewegten und kreativen Pausen. Die Idee kam laut Marschall aus der Elternschaft.

Die Gründe für Lerndefizite sind mehrschichtig. „Laptop, Tablet oder gutes Internet sind noch lange kein Standard“, stellt die Fachlehrerin für Französisch und Sport fest. Man merke, dass einige nicht an Videokonferenzen teilnehmen könnten, hier fehle das Mikrofon, dort stehe keine Kamera zur Verfügung, und oft hapere auch es schlichtweg an der Internetverbindung, so Marschall.

Auch Schulleiterin Heike Roy macht sich Sorgen: „Die Kinder sind ein ganzes Jahr in sehr ungewöhnlicher Art und Weise beschult worden. Sie werden Schwierigkeiten haben, in den normalen Alltag zurückzukehren“, fürchtet die Oberstudiendirektorin. „Und dann sehe ich die Eltern, die ein ganzes Jahr Bereiche übernehmen mussten, für die sie nicht ausgebildet sind“, so Roy weiter. Sie hätten tolle Leistungen hingelegt. Nun brauche es Zeit und Kapazitäten, allen wieder gerecht werden zu können, auch dem Kollegium: „Das ist weit über seine Grenzen gegangen“, so Roy.

Mit dem Programm in den Osterferien gehen etliche Lehrer noch einen Schritt weiter. „Wir haben den Anstoß aus der Elternschaft gern aufgenommen. Viele Kolleginnen und Kollegen helfen“, freut sich die Organisatorin Marschall. Zusammen mit dem Oberstufenkoordinator Bastian Elert hat sie ein „Unterrichtsprogramm“ entwickelt. Vom 29. März bis zum 1. April gibt es in jeweils zwei Fachmodulen pro Tag Unterricht in den Fächern Mathe, Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Latein und Naturwissenschaften. Letzteres gilt für die fünften und sechsten Klassen.

Das Angebot allgemein richtet sich an die Jahrgänge fünf bis elf. Das erste Modul findet täglich von 8 bis 10 Uhr, das zweite von 10.30 bis 12.30 Uhr statt. Jeder darf seine Module frei zusammenstellen und muss auch nicht alle Tage belegen. „Wir wollen die Kinder ihrem Bedarf entsprechend fördern“, erklärt Manuela Marschall, und: „Es geht nicht nur um Rückstände. Wir möchten den Kindern ihre Sicherheit zurückgeben, sie motivieren und bestärken.“

Die Belegung der Module läuft über das Iserv-Modul „Kurswahlen“. Eine zahlenmäßige Obergrenze für die Teilnahme gibt es nicht. „Wir lernen in kleinen Gruppen. Wenn es mehr Kinder werden, bilden wir mehr Gruppen“, verspricht Marschall.

Auch interessant