Der richtige Weg zurück zum Führerschein - Neue Helmstedter
15. Februar 2021
Menschen

Der richtige Weg zurück zum Führerschein

Dr. Helmut Blöhbaum bietet im AWO-Psychiatriezentrum MPU-Schulung für Autofahrer an

Laut Statistik der Bundesanstalt für Straßenwesen müssen rund 90 000 Deutsche jährlich zum sogenannten „Idiotentest“, zur MPU, einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung, die von einem Gericht oder der Führerscheinstelle angeordnet wird. Foto: imago

Königslutter. Alkohol, Drogen, Raserei: Der Führerscheinentzug ist eine bittere Strafe. Geht es doch darum, eigenes Fehlverhalten einzugestehen, daraus zu lernen und dann den Blick nach vorn zu richten. Wie aber bekomme ich die Fahrerlaubnis zurück – und wer kann mir auf dem Weg dorthin helfen?

Laut Statistik der Bundesanstalt für Straßenwesen stehen rund 90 000 Deutsche jährlich vor diesen beiden Fragen. Sie müssen zum sogenannten „Idiotentest“, zur MPU, einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung, die von einem Gericht oder der Führerscheinstelle angeordnet wird. Nur wenn die Beurteilung eines Gutachters positiv ausfällt, kann der Verkehrssünder seinen Führerschein zurückerhalten.

Hohe Durchfallquote

Doch die Durchfallquote ist hoch, weiß Dr. Helmut Blöhbaum, der im AWO-Psychiatriezentrum (APZ) in Königslutter MPU-Schulungen für Autofahrer anbietet. „90 bis 95 Prozent der Teilnehmer rasseln durch die Prüfung, wenn sie unvorbereitet in den Test gehen oder unbedacht Antworten geben“, sagt der Sozialtherapeut, der alle Ausreden kennt: „Normalerweise habe ich meinen Alkoholkonsum im Griff“, „Das war das erste Mal, dass ich Kontakt mit Drogen gehabt habe“ oder „Ich bin zu schnell gefahren, weil ich unter Zeitdruck stand.“ „Wenn ein Betroffener diese Phrasen benutzt, dann kriegt er seinen Führerschein so schnell nicht wieder, denn dann hat derjenige es nicht kapiert“, macht Blöhbaum deutlich.

Sozialtherapeut Dr. Helmut Blöhbaum (links im Bild) bietet im AWO-Psychiatriezentrum (APZ) in Königslutter MPU-Vorbereitungskurse für Autofahrer an. Foto: privat

Freiwillige Vorbereitung

Deshalb sollte man keine Zeit verlieren und sich, sobald eine MPU erforderlich ist, professionelle Hilfe suchen. „MPU-Kurse sind freiwillig und werden von der Führerscheinstelle nicht vorgeschrieben. In die MPU komplett ohne Vorbereitung zu gehen, ist aber dennoch nicht ratsam“, verdeutlicht Blöhbaum, dessen Vorbereitungskurs sich speziell an Betroffene, die mit Alkohol oder Drogen am Steuer kontrolliert worden sind, richtet.

Konfrontation mit der Realität

Während der Einzelsitzungen, die auch in Coronazeiten unter Einhaltung der Hygieneregeln stattfinden, berät der Therapeut und bereitet die Schulungsteilnehmer – unter diesen sind etwa ein Drittel Frauen und zwei Drittel Männer – auf die Prüfungsteile der MPU vor.

Vor allem der psychologische Teil verlange, sich intensiv mit den Gründen für das Vergehen auseinanderzusetzen. Wichtig sei es, die Verkehrssünder mit der Realität zu konfrontieren, betont Blöhbaum. Am Ende entscheide immer die eigene Entwicklung und Haltung. Denn: „Taktik führt bei der MPU zu nichts!“

Info

Die Schulungen zur MPU-Vorbereitung finden in der Institutsambulanz des Awo Psychiatriezentrums (APZ) Königslutter statt (Klinik B). Sie umfassen neun Sitzungen. Die Kosten betragen 640 Euro, das erste Gespräch ist gratis. Die allgemeinen Sprechzeiten sind jeden Dienstag von 15 bis 18 Uhr.
Anmeldungen werden unter den Telefonnummern 05353/90 17 50 und 05353/9 00 sowie per E-Mail an helmut.bloehbaum@awo-apz.de oder helmutbloehbaum@web.de entgegengenommen.

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