25. Januar 2021
Freizeit

Tapsige Pfoten und stolze Gestalten

Artenschutzzentrum will echter Zoo werden – Im Spätsommer soll Betrieb starten

Tobias Froböse und Alexandra Drick setzen sich für den Artenschutz ein. Foto: oh

Grasleben (red). Nebelparder Ginto liebt es zärtlich – nicht immer und längst nicht von jedem. Aber von Alexandra Drick und Tobias Froböse fordert das Tier seine Einheiten. Seine Art ist vom Aussterben bedroht. Ein Grund mehr, zärtlich mit Ginto umzugehen. Denn der Kater aus der Gattung der Großkatzen ist ein Botschafter seiner Art. Er lebt im Artenschutzzentrum in Grasleben. Das ist eine zoologische Einrichtung, die zur Zeit Heimat für 25 Tiere aus sechs gefährdeten Arten ist.

Alexandra Drick und Tobias Froböse leiten das Zentrum. In diesem Jahr haben sie viel vor. Im Sommer soll es seinen regulären Zoobetrieb aufnehmen. Eröffnet ist es längt. Online lassen sich Führungen für kleine Gruppen buchen. Die finden statt, wenn die Corona-Auflagen es erlauben. Die Zeit ohne Gäste wollen die Artenschützer nutzen: Im Spätsommer soll der Zoobetrieb starten.

Auf etwa 37000 Quadratmetern leben Ozelots, Geparden, Schneeleoparden, Nebelparder, Servale und seit einigen Tagen auch ein Java-Binturong. Letzterer sieht aus wie ein Bär, gehört aber zur Gattung der Schleichkatzen, ein Räuber mit einem Greifschwanz, der ihn zum Akrobaten macht. Weitere Arten sollen hinzukommen, sogar Tiere, die nicht zur Gattung der Katzen gehören. Tobias Froböse bringt das Stichwort „Biodervisität“ ins Spiel, die Vielfalt des Lebens auf unserem Planeten.

Von Alexandra Drick und Tobias Froböse fordert Nebelparder Ginto seine Einheiten. Foto: oh

Im Artenschutzzentrum auf dem Gelände der ehemaligen Heeresmunitionsanstalt (Muna) Heidwinkel wird klar, wie schlecht es genau um diese Vielfalt steht. Sie bekommt liebenswerte Gesichter, tapsige Pfoten, stolze Gestalten, einzigartige Fellmusterungen und tierische Stimmen. „Ist das alles nicht wert, erhalten zu werden“, fragt Tobias Froböse mit einem Lächeln, das so tief aus seinem Herzen kommt, dass man nur mit einem Wort antworten kann: „Ja.“

Das Artenschutzzentrum ist auch nach seiner offiziellen Eröffnung noch eine große Baustelle, eine, die sich täglich verändert. Neue Gehege werden hergestellt, etwa ein großes für Nebelparder Ginto und seine Kumpel. Alles entsteht im Eigenbau und folgt dem Prinzip der Nachhaltigkeit. Tropenholz als Baumstämme für die Katzen. „Das ist zertifiziertes Holz aus entsprechendem Anbau. Die Stämme bleiben nun 40 Jahre im Gehege“, sagt Tobias Froböse. Nichts ist etwa dem Regenwald entnommen, und auch die Tiere sind bereits in menschlicher Obhut geboren. „Alles andere wäre kein Artenschutz“, bemerkt Alexandra Drick. Es gehe darum, die Menschen für den Erhalt der Arten und ihrer natürlichen Lebensräume zu sensibilisieren. So seien Gintos Artgenossen in freier Wildbahn bedroht, weil der Mensch Plantagen für Palmöl anlege und den Pelz des Tieres liebe.

In Sichtweite des in Bau befindlichen Großgeheges für die Nebelparder sollen die Schneeleoparden ihr neues Zuhause finden, ein riesiges Areal, an dem die Menschen Teil haben können. „Wir bieten kleine Parzellen von einem Quadratmeter als symbolische Beteiligung an“, erzählt Tobias Froböse. Von Patenschaften über Futterspenden bis hin zum Grundstücksbesitzer – im Heidwinkel wird Artenschutz greifbar.

Übrigens: Bis zum Spätsommer sollen Eingang, Kassenhaus, ein großer Parkplatz, Sicherheitszäune zwischen Wegen und Gehegezaunanlagen, ein kleiner Spielplatz, Gintos neues Zuhause und das der Schneeleoparden stehen. Eine echte Herausforderung für Drick, Froböse und Kollegen. Für Grasleben ist das Zentrum ein Alleinstellungsmerkmal, für das Zentrum übrigens sind es die tierischen Bewohner, denn einen Java-Binturong etwa hat in der Umgebung keine Einrichtung, wie Alexandra Drick bemerkt. Wer mehr wissen möchte, findet unter www.artenschutzzentrum-grasleben.de Antworten.

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