12. Dezember 2020
Menschen

Zurück blieb ein großes Trümmerfeld

Erinnerung an die Bombenangriffe vom 14. und 15. Oktober 1944 – Mehr als 600 Menschen verloren ihr Leben

Ein Bild aus friedlichen Tagen: Diese Aufnahme entstand im Jahr 1903 und zeigt den Weihnachtsbaumverkauf auf dem Hagenmarkt. Foto: Stadtarchiv Braunschweig

Helmstedt. Das gibt es auch in digitalen Zeiten – Schubladen, in denen Dinge erst verwahrt und dann vergessen werden. So fanden sich auf einem Server unvermutet die Seitendateien eines BZ-Spezials über die Bombenangriffe auf Braunschweig und Umgebung im Zweiten Weltkrieg.

Dabei wurde auch Helmstedt nicht verschont. Dort ist der 20. Februar 1944 ein Datum, das die Menschen nicht vergessen haben. 58 Kampfflugzeuge warfen damals ihre zerstörerisch wirkende Last ab. In nur vier Minuten wurden mehr als 50 Häuser zerstört und mehr als 120 Menschen getötet. Wie dicht Tod und Leben in dieser Zeit beieinander lagen, zeigt die Geschichte des „Bombenmädchens“ Helga Bauermeister, die an jenem 20. Februar im Krankenhaus in Helmstedt zur Welt kam.

Dr. Holger Isermann, Redaktionsleiter des Johann-Heinrich-Meyer-Verlages, wusste sofort: „Das ist ein Thema für uns.“ Er und sein Team sind ständig auf der Suche nach regionalen Stoffen aus dem Braunschweiger Raum, die entsprechend aufbereitet und gestaltet in einem Magazin den passenden Auftritt erhalten. So war es auch in diesem Fall.

Unter dem Titel „Codename Skate“ wird nun in zeitgemäßer Form die Erinnerung an eines der dunkelsten Kapitel der Stadtgeschichte wachgehalten, es geht um die Nacht vom 14. auf den 15. Oktober 1944. „Skate“ steht im Englischen für „Schlittschuh“, aber auch für „Rochen“. Hannover sollte wie andere deutsche Städte ebenfalls Ziel eines Flächenbombardements werden und trug den Codenamen Eel (Aal).

Der Hagenmarkt nach den Angriffen am 15. Oktober 1944 von der Casparistraße aus fotografiert. Foto: Stadtarchiv

Fotos, Zeitzeugenaussagen, Fakten versuchen, das Bild der Zerstörung zusammenzusetzen und Menschen in heutiger Zeit, die Krieg und Nachkriegszeit nicht erlebt haben, eine Vorstellung des Ausmaßes dieser Zerstörung zu geben. Die Stadt verlor damals ihr Gesicht, erinnert sich der frühere BZ-Redakteur, Journalist und Buchautor Eckhard Schimpf.

Das Ausgangsmaterial lieferte dafür das 2004 erschienene BZ-Spezial, das bis dahin erfolgreichste, das die Braunschweiger Zeitung herausgegeben hat. Aber das Magazin ist kein bloßer Aufguss dieser Veröffentlichung. Die Beiträge wurden neu geordnet, Schwerpunkte gesetzt. Die Retter kommen zu Wort und es wird die Perspektive der alliierten Luftstreitkräfte beleuchtet, dazu recherchierte das Redaktionsteam ergänzende Inhalte und suchte weiteres historisches Fotomaterial zusammen.

„Ein Praktikant von uns hat eine Woche im Stadtarchiv verbracht, um Fotos zu sichten“, sagt Isermann. Auch das Internet wurde durchkämmt, mehr als 100 zusätzliche Fotos für das Magazin ausgewählt. Die Vorher-nachher-Aufnahmen bekannter Braunschweiger Plätze machen greifbar, was die Bombenangriffe angerichtet haben, wie groß die Schuttberge waren und wie klein dagegen die Menschen.

Persönlich empfindet Isermann die Zeitzeugenzitate besonders eindringlich, schlichte Worte, hinter denen sich das Unvorstellbare verbirgt: „Unsere Mutter wollte Puffer backen und schälte die Kartoffeln im Luftschutzkeller. Wir warteten auf die Entwarnung. Aber dann fingen die Flakbatterien heftig zu schießen an…“

Wie der Krieg seine eigenen Gesetze schafft, zeigt sich im „Bombers Baedeker“. „Das war eine Art Reiseführer für Bomberpiloten. Es klingt absurd, aber genau so war es“, sagt Isermann. Den fast lyrischen Landschaftsbeschreibungen, die die geografische Lage von Braunschweig und Umgebung skizzieren, schließen sich die Beschreibungen der kriegswichtigen Industrien an, die zerstört werden sollten.

Das Magazin „Codename Skate – Erinnerungen an den Bombenkrieg über der Region“ ist bereits in allen BZV-Servicecentern erhältlich und kostet 9,80 Euro.

Das Magazin „Codename Skate – Erinnerungen an den Bombenkrieg über der Region“ ist bereits in allen BZV-Servicecentern erhältlich und kostet 9,80 Euro.

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