„Man braucht die Hoffnung“ - Neue Helmstedter
21. November 2020
Menschen

„Man braucht die Hoffnung“

Indra Behrens (24) leidet an einer schweren Krankheit – Ihr Vater setzt sich für sie und ihren Spendenaufruf ein

Dieses Foto entstand 2017. Gern würde Indra Behrens die Zeit zurückdrehen. Jetzt setzt die 24-Jährige ihre Hoffnung auf eine Stammzelltherapie. Foto: privat

Region. „Sie wollte ein schönes Foto von sich zeigen“, sagt der Vater. Ein Bild aus besseren Tagen. Bernd Breitfeld kann seine kranke Tochter Indra gut verstehen. Und so zeigt das Foto, das ihren Spendenaufruf im Internet begleitet, eine lächelnde, hübsche junge Frau. Das Foto haben die Eltern während eines Urlaubs aufgenommen. Indra war schon damals krank, aber zu sehen ist das nicht. „Die Krankheit hat mir meine besten Jahre gestohlen“, sagt Indra.

„Sie ist sehr blass“, meint der Vater. Die Krankheit habe Spuren hinterlassen. Indra leidet unter myalgischer Enzephalomyelitis oder kurz ME, einer schweren neuroimmunologischen Erkrankung, sie trägt oft eine Orthese, die ihr Genick stützt, sitzt im Rollstuhl. Sie gilt zu 100 Prozent als schwerbehindert. „Rausgehen ist fast nicht mehr möglich“, sagt der Vater. Nach 200 Metern Gehen sei die junge Frau völlig erledigt. ME geht mit einer tiefen Erschöpfung einher, mit Schlaflosigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten, der Stoffwechsel spielt verrückt.  Selbst Lichtreize können zu viel sein. Indras Zimmer ist oft verdunkelt.

Hilfsmittel wie der Rollstuhl und auch bestimmte Diagnoseverfahren hat die Krankenkasse bezahlt, aber es bleiben viele Kosten für die Familie. Sei es für bestimmte Blutuntersuchungen, für spezielle Nahrungsmittel wegen vieler Unverträglichkeiten, Nahrungsergänzungsmittel oder private Behandlungen. Die Familie greift nach jedem Strohhalm.

Als Indra 15 war, hatte alles mit leichten Fieberschüben begonnen. Dass es sich dabei um Pfeiffersches Drüsenfieber handelte, habe damals zunächst niemand erkannt. Das sei erst viel später nachgewiesen und als mögliche Ursache für ME oder CFS (Chronic Fatigue Syndrome) ausgemacht worden. Bis dahin tappte man im Dunkeln, hielt die Symptome anfangs für eine psychische Erkrankung.

Das Abitur war für Indra bereits ein Kraftakt. Die Schülerin fühlte sich zunehmend erschöpft. Trotzdem hat sie es geschafft, sogar ein Studium begonnen, aber wegen der Krankheit noch nicht abgeschlossen.

ME ist eine vergleichsweise seltene Krankheit, es fehlt an Ärzten, an Forschung und Therapieansätzen. Von Heilung gar nicht zu sprechen. Aber die Familie gibt sich nicht geschlagen. Freut sich über Unterstützung wie die von einer Schulfreundin, die die Idee zur Internetaktion hatte, oder die Hilfe der Kirchengemeinde am Elm in Destedt, wo der Vater wohnt.

Genau wie die mittlerweile 24-Jährige hoffen ihre Mutter Birgit Behrens und ihr Vater Bernd Breitfeld auf den Erfolg einer Stammzelltherapie, um die bei ihr festgestellte so genannte zervikale Halswirbelinstabilität zu beheben. Davon wird sich eine Linderung der Symptome versprochen. Der Erfolg ist ungewiss: Studiendaten liegen dazu nicht vor, weshalb die Deutsche Gesellschaft für ME/CFS sich zurückhaltend äußert, um Erkrankten keine vielleicht falschen Hoffnungen zu machen.

Nachdem die Spendensammlung im Internet bereits eine beachtliche Summe erbracht hat, reiste die Familie sofort nach Belgien, um die Therapie zu beginnen, die in Deutschland nicht zugelassen ist.

Indra: „Ich habe noch so viele Wünsche und Dinge, die ich machen möchte. Ich hoffe, dass es gelingt, das Geld für die Therapie zusammenzubekommen. Zum ersten Mal rückt eine Genesung in erreichbare Nähe, zumindest aber mehr Lebensqualität.“

Sollte die Therapie bei ihr Erfolg haben, wäre das auch ein Signal für andere Erkrankte und würde ihnen neuen Mut machen. „Man braucht die Hoffnung“, sagt der Vater.

Info

Unter diesem Link kann der Spendenaufruf für Indra aufgerufen werden:
http://www.gofundme.com/f/stammzelltherapie-fur-meine-beste-freundin-indra

Die Deutsche Gesellschaft für ME/CFS ist ein gemeinnütziger Verein, der sich für die Anerkennung von ME/CFS als schwerer, körperlicher Erkrankung, den Ausbau der medizinischen und sozialen Versorgung der Patienten sowie für weitere Forschung einsetzt. Der Verein geht von schätzungsweise 250 000 Erkrankten in Deutschland aus.

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