Der Schlamm muss durch die Trockner - Neue Helmstedter
21. November 2020
Allgemein

Der Schlamm muss durch die Trockner

Die Klärschlammverbrennungsanlage der EEW am Standort Buschhaus nimmt Gestalt an

Spezialkräne hoben den zweiten Scheibentrockner für die Klärschlammverbrennungsanlage der EEW an Ort und Stelle. Das Prozedere war Millimeterarbeit und dauerte Stunden. Fotos (2): Erik Beyen

Schöningen. Die EEW Energy from Waste GmbH legt sich ins Zeug. Am Standort Buschhaus entsteht derzeit die erste Klärschlammverbrennungsanlage (KVA) in Niedersachsen. Dieser Tage hoben zwei schwere Kräne den zweiten Scheibentrockner an Ort und Stelle. Sie müssen den Schlamm auf einen Trockensubstanzwert von 45 Prozent bringen, bevor er verbrannt werden kann.

Im Oktober 2021 will EEW die Anlage endgültig übernehmen. Dann kann sie 20 Prozent des Schlamms aus den Kläranlagen Niedersachsens verbrennen oder im Idealfall 160 000 Tonnen pro Jahr. „Das aber nur, wenn sie jede Stunde im Jahr in Betrieb ist“, schiebt EEW-Pressesprecher Ronald Philipp schmunzelnd hinterher.

45 Millionen Euro investiert EEW in die Klärschlammverbrennungsanlage. Ihr Standort in unmittelbarer Nachbarschaft der Müllverbrennung, auch eine EEW-Anlage, ist ganz bewusst gewählt. Philipp spricht von Synergien. Tatsächlich nutzt die Anlage Wärme der Müllverbrennung und gibt zugleich Dampf an deren Turbine zurück. Diese kann damit ihren Wirkungsgrad optimieren. Der Heizwert vollständig getrockneten Klärschlamms, erklärt Projektleiter Helge Goedecke, sei mit dem von Braunkohle vergleichbar.

Die Montage der beiden Scheibentrockner ist ein echter Meilenstein für die Anlage, eine kleine, wie Goedecke betont. Ansichtssache. Allein der Bunker, so nennt man den Betonbau, in dem der Klärschlamm zwischengelagert wird, kann die Menge für zwölf Tage Verbrennung aufnehmen. Vom „Balkon“ des Bunkers, das sind Technik- und Wartungsräume oberhalb, lässt sich an diesem Tag das Spektakel perfekt beobachten. Die beiden Kranführer samt Einweiser leisten Millimeterarbeit. Beeindruckend.

Die Montage der beiden Scheibentrockner ist ein echter Meilenstein für die Anlage.

Wenn die Anlage ihren Betrieb aufnimmt, dann leistet sie einen wichtigen ökologischen und ökonomischen Beitrag. Auf der einen Seite entlastet sie Böden, denn im Klärschlamm, so die Spezialisten, befinden sich schädliche Rückstände, die nach Möglichkeit nicht in den Nahrungsmittelkreislauf gelangen sollten, etwa von Medikamenten. Darum darf Klärschlamm auch nicht mehr einfach so als Dünger auf die Felder gebracht werden, aber: Ein „Abfallprodukt“ der Verbrennung ist die Klärschlammasche. Aus ihr gewinnt ein Spezialunternehmen den wohl wichtigsten Baustein des Lebens: Phosphor.

„Der ist als Rohstoff endlich“, so Ronald Philipp. Er lasse sich auch nicht chemisch herstellen. Eben dieser Phosphor aus dem Klärschlamm landet auf Umwegen also wieder als Dünger auf den Feldern. Der Kreislauf schließt sich. Und nur ein minimaler Überrest des Schlamms wird nach der Verbrennung in Salzstollen endgelagert. So werde sichergestellt, dass keinerlei Rückstände ins Grundwasser gelangen können.

Auch interessant