Der Archivar und seine Schätze - Neue Helmstedter
16. Oktober 2020
Topstory

Der Archivar und seine Schätze

Der 57-jährige Thomas Markwardt ist Königslutters neuer Stadtarchivar

Thomas Markwardt hat im September die ehrenamtliche Leitung des Stadtarchives Königslutter übernommen. Foto: Maria Lüer

Königslutter. Gedämpftes Tageslicht dringt durch die Fenster ins Königslutteraner Stadtarchiv. In den Regalreihen stehen Bücher und Aktenordner dicht an dicht. Es riecht nach altem Papier.

Besonders aufregend wirkt der Arbeitsplatz von Thomas Markwardt auf den ersten Blick nicht. Ein Irrtum. Denn zwischen den dicken Ledereinbänden und in den vielen braunen Kartons verstecken sich einzigartige Zeugnisse der Ortsgeschichte.

Viele Lieblingsstücke hat Stadtarchivar Thomas Markwardt. Eines davon zieht der 57-Jährige fast schon andächtig aus dem Regal. Es sind historische Schriftblätter, die in einer DIN-A4 großen Mappen liegen. Auf ihnen sind alte Geschichten von Bürgern und spannende Sagen rund um Königslutter zu lesen.

„Wenn wir solche Erzählungen nicht aufbewahren, dann geraten sie in Vergessenheit“, ist sich Thomas Markwardt, der bei der Braunschweiger Verkehrs-GmbH beschäftigt ist, sicher. „Deshalb haben diese Stücke für mich eine besondere Bedeutung.“

Das Archiv besitzt etwa 5000 städtische Akten, darunter sehr alte. So sind fast alle Brauereiakten erhalten geblieben, sie dokumentieren den wichtigsten Wirtschaftszweig Königslutters über viele Jahrhunderte. Fast lückenlos sind die Kämmereirechnungen und Kontributionsregister von 1600 bis 1900 vorhanden, desgleichen eine große Zahl von Handwerkerakten. Der Hud- und Weideprozess zwischen Königslutter und Rieseberg (1594 bis 1690), die Ratsbücher der Stadt (das älteste von 1649 bis 1660) und die Beschreibung der Stadt und ihrer Feldmark aus dem Jahre 1761 sind wertvolle Einzelakten.

Der gebürtige Lauinger hat die ehrenamtliche Leitung des Stadtarchives Anfang September übernommen. Zuvor hatte Winfried Kraus das Stadtarchiv 35 Jahre lang betrieben. Thomas Markwardts Auftrag: Er soll alles sammeln, was die Geschichte der Domstadt dokumentiert.

Und: Je größer die Bestände würden, desto schwieriger werde es, in ihnen konkret gesuchte Unterlagen zu finden. Deshalb sei es wichtig, das Stadtarchiv auch im Rahmen der Digitalisierung zu erschließen. „Das bedeutet einen Menge Arbeit. Momentan verbringe ich hier jede freie Minute“, erläutert Thomas Markwardt den enormen Aufwand, Geschriebenes auf Papier in PDF-Dateien zu sichern. Es sei noch nicht absehbar, wann dieser Prozess abgeschlossen werden kann – gerade deshalb müsse ein Archivar vor allem zwei Eigenschaften mitbringen: Geduld und die Leidenschaft, etwas zu suchen.

In seiner „Schatzkammer“, im Gedächtnis der Stadt, bewahrt Thomas Markwardt aber nicht nur Bücher und Urkunden auf. Auch geografische Karten, Plakate, Filme, Postkarten und Fotos lagern dort. Auch Kunstwerke wie Gemälde oder Aquarelle sind in seinem Fundus hinterlegt.

Als wahre Schätze offenbaren sich auch Alltagsgegenstände – etwa Ducksteinkrüge oder ein alter Auto-Schalthebel, auf dem das Stadtbild abgedruckt ist – , die Bürger vermacht haben oder die ihre Familien zur Verfügung gestellt haben. „Sie sind wichtig, weil sie das städtische Leben außerhalb der Verwaltung dokumentieren“, betont Thomas Markwardt.

Der Archivar kann die Geschichte anhand von Gegenständen erzählen. Nicht zuletzt deshalb hat sich Thomas Markwardt für diese ehrenamtliche Tätigkeit entschieden. „Mich fasziniert, dass ich damit ein Stück Vergangenheit ins Heute bringen kann“, sagt er. „Das ist wichtig, damit die Menschen die Geschichte in Erinnerung behalten und aus ihr lernen können.“

Einfach mal rein marschieren und in alten Akten stöbern, das können Interessierte jeden Donnerstag zwischen 15 und 18 Uhr. Übrigens: Die Einrichtung sucht immer Bilder und anderes Material, das in die Sammlung zur Geschichte rund um Königslutter aufgenommen werden kann.

Stadtarchiv Königslutter

Adresse Sack 1, 38154 Königslutter
Telefon 05353/91 22 09
E-Mail stadtarchiv@koenigslutter.de
Öffnungszeiten donnerstags 15 bis 18 Uhr

Auch interessant