3. Juli 2020
Wirtschaft

So haben wir Firmen Corona erlebt

Helmstedter Unternehmen geben einen Einblick in ihre Arbeitszeit während des Lockdowns

Das Handwerk in der Corona-Krise: Heizungs- und Sanitärunternehmen haben trotz des Lockdowns gearbeitet und Aufträge erfüllt. Foto: imago/Robert_Przybysz

Helmstedt. So groß die Erleichterung über die Wiedereröffnung vieler Helmstedter Geschäfte und Unternehmen nach der coronabedingten Pause auch war – von Normalität kann weiterhin keine Rede sein.

Und das lässt sich nicht nur an Abstandsregeln und Gesichtsmasken ablesen, sondern teilweise auch an der Kundenfrequenz. „Die Leute sind einfach noch zurückhaltend“, berichtet Simone Hartwig, „die Nachfrage nach Neuwagen ist bei uns zum Beispiel derzeit sehr gering. Man will in dieser Zeit das Geld nicht so ausgeben“, sagt die Geschäftsführerin des Autohauses Kaschel in Helmstedt.

Großen Ärger gebe es derzeit zum Beispiel auch bei der Pkw-Zulassung – eigentlich eine Formalie. Aber nicht in Corona-Zeiten: Die Zulassungsstelle des Landkreises war lange geschlossen und arbeitet immer noch nicht auf Normalbetrieb. Das bittere Fazit von Simone Hartwig: „In Corona-Zeiten ist so etwas eine Bremse für das Ankurbeln der Wirtschaft.“ Das sieht auch Dietmar Steffens, Inhaber des Autohauses Heinicke in Weferlingen, so: „Hoffentlich kommt bald alles wieder richtig in Gang.“

Eine ungewöhnlich hohe Nachfrage in Corona-Zeiten erlebten die Heizölhändler. „Die Preisentwicklung am Markt und offenbar das Sicherheitsbedürfnis zahlreicher Bürger haben die Kaufbereitschaft enorm angetrieben“, erzählt Peter Erhardt, Geschäftsbereich Handel und Standortleiter von team energie in Helmstedt.

Gestärkt aus der Krise geht auch die Thomas Sack Energie+Service GmbH in Helmstedt hervor. „Im Gegensatz zu anderen Branchen haben wir unter der Corona-Krise nicht gelitten“, bestätigt Heike Sack, die in dem Familienunternehmen beschäftigt ist.

Keinen Corona-Stillstand gab es bei den Handwerksbetrieben. „Wir konnten die klaren Vorgaben zur Infektionsvermeidung umsetzen, eine Verschiebung unserer Aufträge zur Zeit der Schließung war nicht notwendig“, betont Oliver Wahnschaffe, Geschäftsführer der Firma Wahnschaffe in Süpplingen. „Für die Reparatur von Rohrbrüchen oder defekten Heizungen waren wir immer zur Stelle.“

Schwere wirtschaftliche Folgen spürt auch Gabriele Janik, Inhaberin der Fachhandlung Holz Janik in Schöningen, nicht. „Wir können uns nicht beklagen, unsere Aufträge sind nicht erheblich eingebrochen. Ich wünsche mir jetzt nur, dass überall wieder Normalität eingekehrt.“

Froh über ihre Kundschaft sind auch Timo Küstner, Inhaber vom Entsorgungsfachbetrieb Küstner Rohstoffe in Helmstedt, und Hans-Joachim Brandtstäter, Inhaber der Firma remotis: Einbruchschutz in Helmstedt und Umgebung. „Wir müssen schon fast ein schlechtes Gewissen haben, denn das Unternehmen Küstner Rohstoffe ist von der Krise so gut wie gar nicht betroffen“, schildert Timo Küstner die Situation. Aufträge zur Entsorgung oder zum Recyceln seien schließlich auch mit der Einhaltung von Abstand ausführbar.

Im gleichen Zuge erklärt Hans-Joachim Brandtstäter: „Wir hatten sehr wenige Aufträge im Außenbereich.“ Nun aber laufe das Geschäft wieder gut: „Viele Menschen wollen sich ihre Immobilie schön und sicher machen“, erläutert Brandtstäter – und schickt einen Dank an seine Kunden hinterher.

Eine Gefahr ist ein erneuter Anstieg der Infektionszahlen aber auf jeden Fall. Für viele Unternehmen im Landkreis geht es in diesem Falle um nichts weniger als den Fortbestand ihres Betriebs. Denn: Wenn sie nichts einnehmen, dann können sie laufende Kosten nicht mehr decken.

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