Heftiges Unwetter: Schlammwelle zerstört Grundstücke - Neue Helmstedter
20. Juni 2020
Menschen

Heftiges Unwetter: Schlammwelle zerstört Grundstücke

Besonders betroffen waren Anwohner der Magdeburger Straße, Walbecker Straße und Sandbreite – Feuerwehr und TH bekommen dickes Lob

Anwohner der Magdeburger Straße und der Feldstraße fordern Maßnahmen zum Schutz vor Schlammwellen. Sie sagen: Der Graben muss besser gepflegt werden. Foto: Erik Beyen

Grasleben. Solche Bilder möchte niemand in Echtzeit erleben müssen, und doch traf es am vergangenen Wochenende gleich eine ganze Reihe von Hausbesitzern und -bewohnern in Grasleben:

Ein Unwetter setzte nicht nur Keller unter Wasser, es sorgte auch für eine Schlammwelle, die Gärten und Wohnraum vieler Menschen überrollte. Sie hinterließ große Schäden. Besonders betroffen waren unter anderem Anwohner der Magdeburger Straße, der Walbecker Straße und Sandbreite.

Unter den Geschädigten sind auch Ilona und Mirko Moritz. Ihr gemietetes Haus an der Magdeburger Straße ist unbewohnbar. Das Paar mit fünf Hunden hat nichts mehr außer sich, einige Kleidungsstücke und Bilder der Erinnerung.

Ilona Moritz kann es noch nicht begreifen, was da am Vortag passiert ist. Foto: Erik Beyen

Seit 19 Jahren, sagen sie, leben sie in dem Haus in zweiter Reihe einige Meter vom Abzweig Feldstraße entfernt, ein hübsches Haus, alles ebenerdig. Jetzt ist es eine einzige Schlammhölle. Kniehoch muss die braune Brühe gestanden haben. Erst hat sie den Garten verwüstet, dann schwere Pflanzkübel auf die überdachte Terrasse geschleudert, bevor sie die geschlossene Terrassentür aufdrückte.

„Wir hatten keine Chance bei dem Druck“, sagt Mirko und führt uns durch sein Reich, das nicht mehr seines ist. Kein Raum im Haus ist noch bewohnbar, die Küche eine einzige Ruine, Elektrogeräte unbrauchbar, teure Unterhaltungselektronik dahin, vom Schlafzimmer retten sie allenfalls die Matratze ihres Bettes, eine neue Couchgarnitur ist hin, Schränke, Papiere – das Wasser hat samt Schlamm vor nichts Halt gemacht.

Das Zimmer des Enkels, er lebt bei seinen Großeltern, sieht aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Nachbarn haben Überreste und Sachen aus den Kleiderschränken vor die Tür gelegt, Socken, Handtücher. Sie waren über die gesamte Straße verteilt.

Auch die Mutter des Mannes hat es erwischt. Ihr Haus befindet sich gleich nebenan und ist ebenfalls unbewohnbar. Die Gemeinde Grasleben habe die Dame vorübergehend in einem Hotel in Helmstedt unterbringen können, heißt es auf Anfrage aus dem Rathaus.

Wie hoch der monetäre Schaden im Haus der Familie Moritz ist, konnte das Paar bei einem Besuch unserer Zeitung noch nicht einschätzen. Vielleicht 50 000 Euro, oder gar mehr. „Wir haben nichts mehr“, sagt Mirko.

Der Schlamm hat den Teich ausgeräumt, die Kois auf die Straße gespült. Foto: Erik Beyen

Besonders schlimm: Eine Hausratversicherung gibt es nicht. Auch über eine mögliche Elementarversicherung für das Haus, um die sich der Vermieter kümmern müsste, wird der Hausstand des Paares wohl nicht versichert sein. „19 Jahre sind einfach so weg“, sagt Ilona Moritz, kurz davor, in Tränen auszubrechen.

So ähnlich, wie die Familie Moritz, hat es in Grasleben viele Menschen getroffen, mehr oder weniger hart. Für die Mitglieder des Vorstandes des Museumsvereins in Grasleben ist dieses Unglück ein Grund, für ein paar schöne Momente zu sorgen. Sie öffnen die Trödelstube, in der sich die Menschen einfach etwas aussuchen dürfen, wenn sie das möchten, natürlich kostenlos.

„Das ist zwar nur eine kleine und bescheidene Geste“, sagt die erste Vorsitzende des Vereins, Gabriele Lohrengel, aber: „Wir sehen uns als Teil der Dorfgemeinschaft, und darum wollen wir damit Wasser und Schlamm etwas Positives entgegenstellen.“ Da sei sich der Vorstand absolut einig.

Die Aktion soll am 28. Juni stattfinden, unter strengen Auflagen. Darum bittet Gabriele Lohrengel um eine Voranmeldung unter der Telefonnummer 05357/5 87. Zu den Auflagen gehören das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, die Desinfektion der Hände vor Ort, das Hinterlassen der Kontaktdaten, der Mindestabstand von 1,5 Metern, und: „Wir können jedem Besucher einzeln 30 Minuten Verweildauer anbieten“, so Lohrengel.

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