6. Juni 2020
Arbeit

Das Handwerk sucht Azubis

Corona-Krise schlägt sich auf Ausbildungsmarkt nieder – Bewerbungen bleiben aus

Dem Handwerk fehlt es an Bewerbern um freie Ausbildungsplätze. Darum werben die Kreishandwerkerschaft Helmstedt-Wolfsburg, die Agentur für Arbeit und die Berufsbildenden Schulen (BBS) in Helmstedt nun um Auszubildende. Foto: Erik Beyen

Helmstedt/Bahrdorf. Die Krise rund um das Corona-Virus hat offenbar auch Auswirkungen auf das Handwerk, konkret auf den Ausbildungsmarkt. Es bleiben schlichtweg die Bewerbungen aus, und das trotz reichlich freier Ausbildungsplätze.

Das erklärten der Kreishandwerksmeister Martin Bauermeister, Claudius Nitschke von der Kreishandwerkerschaft Helmstedt-Wolfsburg, der Leiter der Agentur für Arbeit in Helmstedt, Ulf Steinmann, und der Vertreter der Schulleitung an der Berufsbildenden Schulen in Helmstedt (BBS), Jörg Höbelmann, bei einem Pressetermin. Demnach können bestehende Netzwerke derzeit nicht genutzt werden.

Ein paar Zahlen (Stand Ende Mai): Bei der Agentur für Arbeit sind 431 Ausbildungsplätze registriert, 193 davon stellen Handwerksbetriebe. Die Kreishandwerkerschaft hat eine Blitzumfrage unter ihren Betrieben gestartet. Das Ergebnis ist sehr deutlich: Von 70 Betrieben, die Auszubildende einstellen möchten, haben nur 15 bereits Ausbildungsverträge abgeschlossen, 28 erklärten dagegen, keine oder deutlich zu wenig Bewerbungen erhalten zu haben.

„Dabei hat nur ein Teil der Betriebe auf unsere sehr kurzfristige Anfrage reagieren können“, erklärte Claudius Nitschke, der aber die Kernaussage bestätigt sieht: „Es fehlt an Bewerbern.“ Und das zieht sich offenbar durch sämtliche Innungen.

Einmütig ist sich die Runde sicher: Corona verschärft die Situation. So finde Berufsberatung derzeit nur telefonisch statt, erklärte Jörg Höbelmann von den BBS. „Um unser Bildungsangebot vorzustellen, hatten wir einen Tag der offenen Tür geplant. Der musste ausfallen“, erklärte er. In der Regel kämen Jugendliche in die Schule, um ein Gespräch mit den Beratungslehrern zu führen. Dieser direkte Kontakt finde derzeit schlichtweg nicht statt.

Das treffe auch auf die Berufsorientierungsarbeit in den allgemeinbildenden Schulen zu. Und auch die Berufsberatung der Agentur für Arbeit ruht in weiten Teilen. Normalerweise, schiebt Ulf Steinmann ein, beschäftige sich etwa die Berufsberaterin Angelika Pape damit, doch die müsse sich zur Zeit um die hohe Zahl der Anträge auf Kurzarbeit kümmern.

Corona hat demnach die Prioritäten verschoben, mit möglicherweise fatalen Folgen: „Wir schaffen Ausbildung im Handwerk im ländlichen Bereich ab“, warnt Martin Bauermeister, denn da gibt es den sogenannten Klassenbildungserlass. Er legt fest, ab welcher Klassenstärke die BBS auch Lehrerstunden geltend machen dürfen. Wenige Azubis einer Innung bedeuten mitunter den Wegfall des entsprechenden Bildungsangebotes an der Berufsbildenden Schule in Helmstedt.

Schrumpft dieses Angebot, verliere Ausbildung auf dem Lande an Attraktivität, da die Wege zur Schule zu lang würden. „Das Handwerk nimmt einen hohen Stellenwert ein“, sagt Martin Bauermeister, es biete jungen Menschen ungeahnte Perspektiven, da es schon jetzt einen Fachkräftemangel gebe.

Apropos: Die Agentur für Arbeit hat eine Berufsberatungshotline eingerichtet: 05351/52 27 77. „Da landen Sie ohne Umwege bei den Berufsberatern“, verspricht Ulf Steinmann. Und auch die BBS haben ihr Bildungsangebot auf ihrer Internetseite veröffentlicht: www.bbs-helmstedt.de.

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