24. Mai 2020
Menschen

„Wir wollen unsere Kinder zurück“

In Schulen läuft der Unterricht wieder – An der CFG-Oberschule weisen Blumen den Abstand

Schulleiterin Ulla Nolte (im Vordergrund) am Haupteingang der Carl-Friedrich-Gauß-Oberschule in Velpke. Foto: Erik Beyen

Velpke. Hochsicherheitsbereich Schule – diesen Eindruck gewinnt, wer dieser Tage die Carl-Friedrich-Gauß-Oberschule in Velpke besucht. „Das ist an allen Schulen so“, erklärt Schulleiterin Ulla Nolte. Unserer Zeitung erklärte sie, wie das Lehrerkollegium und sie mit Schule unter Corona-Bedingungen umgehen. Auf den ersten Blick fallen Blumen in verschiedenen Farben auf dem Boden auf. Sie sind tatsächlich ein Teil des Konzepts.

Ein offenes Haus ist Schule in diesen Zeiten nicht. „Wir müssen den Eingang verschlossen halten, sonst haben wir keinen Überblick, wer hier ein- und ausgeht“, sagt Ulla Nolte. Und eben diesen Überblick müssen sie unter Corona-Bedingungen behalten. Vier Klassen werden aktuell im sogenannten Präsenzunterricht beschult. Es sind die Abschlussklassen der Jahrgänge 9 und 10. Sie sind jeweils in zwei Gruppen gesplittet, um die Lerngruppen möglichst klein zu halten.

Abwechselnd kommen sie zur Schule und erarbeiten die Inhalte anhand von gestellten Aufgaben daheim. Ein kompliziertes System, das sich auf die Prüfungsfächer konzentriert. Parallel dazu läuft das sogenannte Homeschooling, wobei auch das offenbar Schwächen aufweist. Man erreiche manche Schüler schwer.

Inhaltlich, so die Schulleiterin, fehle der Stoff eines Viertel Schuljahres, schätzt Nolte ein. Über das Homeschooling sei einfach nicht die Qualität erreichbar, wie man sie vom Präsenzunterricht kenne. Die gestellten Aufgaben würden selbstverständlich angeschaut und überprüft, jedoch nicht bewertet, zumindest in den jüngeren Jahrgängen ist das so. Schüler und Lehrer litten unter der Situation. Was die Inhalte auf der einen Seite sind, ist die konkrete Umsetzung des Schulalltages in Corona-Zeiten auf der anderen.

Farbenfrohe Blumen im Abstand von zwei Metern zeigen, wo die Kinder vor dem Eingang warten dürfen. „Die Lehrer holen ihre Schüler ab und gehen mit ihnen direkt in die Klassenräume“, so Ulla Nolte. Begegnungen werden damit ausgeschlossen, sind sie aber ohnehin, denn jede Klasse hat sozusagen ihren eigenen Ein- und Ausgang, sogar die Außenbereiche sind getrennt. Auf dem Boden des Schulhofes tauchen wieder die Blumen auf, diesmal in einer Farbe pro Gruppe. Auf den Fliesen des Hauptganges sind Meterangaben, immer im Zwei-Meter-Abstand, damit sich Schüler nicht zu nahe kommen.

Die Situation ist fast grotesk, die geforderten Bedingungen sind auf Dauer wohl schwer einzuhalten. Man könne sich nicht so intensiv um jedes Kind kümmern, es etwa auf Fehler hinweisen oder Denkanstöße geben. Das verhindere die gebotene Distanz. „Bei allen Vorsichtsmaßnahmen, lässt sich der Abstand in einer Schule einfach nicht immer halten“, so Nolte. Auch deshalb hat man sich an der Carl-Friedrich-Gauß-Oberschule wohl auf das Tragen von Masken geeinigt. „Das hat auch etwas mit dem Schutz der Schüler und des Kollegiums zu tun“, erklärt Nolte und sagt etwas wehleidig: „Wir wollen unsere Kinder zurück.“

Auch interessant