„Fünf Tische machen den Kohl nicht fett“ - Neue Helmstedter
23. Mai 2020
Menschen

„Fünf Tische machen den Kohl nicht fett“

Gastronomie hofft auf weitere Erleichterungen – Florian Hary fordert fallbezogene Hilfen

n der Nordkreisgemeinde Velpke empfängt das Café Reinhards, hier im Bild Alina Wollin, wieder Gäste. Foto: Erik Beyen

Helmstedt. Die Gastronomen sehnen sich nach weiteren Lockerungen. So sieht das zumindest Florian Hary. Er ist der stellvertretende Vorsitzende der DEHOGA Wolfsburg-Helmstedt und des Bezirksverbandes Braunschweig-Harz. Seit zwei Wochen haben etwa 70 Prozent der Restaurants und Cafés in Niedersachsen ihre Türen wieder für Gäste geöffnet – unter erschwerten Bedingungen und großem Mehraufwand. Ob der sich gelohnt hat? Diese Frage haben wir nicht nur dem DEHOGA-Vize gestellt.

Unter den Gastronomen, die ihren Betrieb wieder hochgefahren haben, hat die DEHOGA eine Umfrage gestartet, so Florian Hary. Demnach haben 93 Prozent der Betriebe erklärt, dass die Umsätze nicht zur Wirtschaftlichkeit des Unternehmens geführt hätten. 75 Prozent hätten gar berichtet, ihre Umsätze lägen unter 25 Prozent im Vergleich zu denen vor dem Lockdown. Nur sieben Prozent geben laut Hary an, besser dazustehen als vor der Krise. Der Gastronom sieht diese Umfrage selber etwas kritisch, sei sie doch in den ersten Tagen entstanden. Die Menschen seien sicherlich zögerlich gewesen, darum glaube er an eine leichte Verbesserung. „Die wird aber sicher nicht ins Unermessliche gehen“, so Hary. Er hoffe auf die nächste Phase der Lockerungen. „Das muss jetzt weitergehen“, so der DEHOGA-Vize. Auf gar keinen Fall dürfe man wieder zurückfahren.

In der Nordkreisgemeinde Velpke empfängt das Café Reinhards wieder Gäste. „Von elf Tischen dürfen wir fünf belegen“, erzählt Alina Wollin, aber: „Diese fünf Tische machen den Kohl nicht fett“, schiebt sie hinterher und bezieht sich damit auf die maximal möglichen Umsätze. Die lägen weit unter denen vor dem Lockdown, und dennoch: „Ich finde dieses Gefühl der Normalität schön, das aufkommt, wenn die Gäste bei uns sind, ohne Maske am Tisch sitzen dürfen, sich unterhalten und etwas essen“, sagt Wollin. Auch sie hofft auf weitere Lockerungen. Bleibe es bis zum Jahresende bei diesen Restriktionen, müsse man ernsthaft nachdenken.

Im Autohofrestaurant BS-Ost hat ein Satz eine ganz neue Gewichtung bekommen. Lkw-Fahrer hätten ihn in den ersten Tagen nach der Wiederöffnung des Restaurants geprägt, erklärt Inhaberin Sibylle Rademacher: „Ich darf auf einem Stuhl an einem Tisch sitzen und mein Essen von einem richtigen Teller essen. Niemals hätte ich geglaubt, dass so eine Aussage einmal eine solch gewichtige Bedeutung bekommen würde“, so Rademacher. Auch sie hofft auf weitere Lockerungen, denn der Aufwand sei enorm, und nur durch mehr Personaleinsatz zu bewältigen, aber: „Wir kämpfen.“

Martin Klein ist Inhaber des Restaurants „Alte Wache“ in Mariental. Seit einer Woche dürfen dort wieder Gäste Platz nehmen, an acht Tischen im Restaurant sowie zehn im Biergarten. Das erste Wochenende sei sehr gut gelaufen, freut er sich. Um möglichst wirtschaftlich zu arbeiten, habe man pro Gast gut 90 Minuten kalkuliert. „Das haben die Gäste wunderbar mitgemacht und auch Verständnis gezeigt“, so Klein. Besonders wichtig sei den Menschen ein Stück Lebensqualität gewesen, denn in einem Restaurant kaufe man eben nicht nur ein Schnitzel. Auch Martin Klein hofft auf weitere Erleichterungen und die Erlaubnis wieder alle Tische belegen zu dürfen, aber: „Das bringt natürlich nur etwas, wenn die Abstandsregeln nicht verändert werden.“

Florian Hary fordert indes fallbezogene Hilfen für Gastronomen. Das sei im Zweifel sicher kompliziert, aber nötig. Da müsse unbedingt etwas kommen.

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