Videokonferenz statt Stuhlkreis - Neue Helmstedter
16. Mai 2020
Menschen

Videokonferenz statt Stuhlkreis

Marienkäferschule: Unter Auflagen zurück in den Unterricht

In den Klassen stehen die Tische auf Abstand, ein Tisch pro Kind. Foto: Jörn Scherbanowitz/oh

Bahrdorf. Durch die Flure der Marienkäferschule in Bahrdorf tönen wieder Kinderstimmen. Noch sind es sehr wenige, aber immerhin: Der Unterricht hat begonnen – in stark eingeschränktem Modus und unter erschwerten Bedingungen.

Doch eben diesen kann Schulleiter Jörn Scherbanowitz sogar Positives abgewinnen. Kleine Lerngruppen machen den Unterricht demnach entspannter, und das trotz eines höheren Aufwandes.

Wie alle Schulen folgt auch die Marienkäferschule in Bahrdorf dem Stufenplan. Schrittweise soll das Schulleben wieder stattfinden. In den vergangenen Wochen durften die Mädchen und Jungen der vierten Klasse zur Schule gehen. 17 Kinder sind das. In zwei Gruppen á neun und acht Kindern kommen sie zum Unterricht, konkret im Wechsel montags bis dienstags sowie mittwochs bis freitags.

Eine Begegnung der Kinder auf den Gängen der Schule ist nicht möglich. Es gilt Einbahnstraßenverkehr. Die Kinder gehen durch den Haupteingang hinein, im hinteren Bereich wieder raus. Alle nicht genutzten Bereiche sind abgesperrt, sogar Trennwände aus der Sporthalle dienen als Leitsystem.

In den Klassen stehen die Tische auf Abstand, ein Tisch pro Kind, und der darf auch nicht gewechselt werden. „Wir haben eine festgelegte Sitzordnung“, so Schulleiter Jörn Scherbanowitz. Masken tragen die Kinder in der Schule nicht, wohl aber müssen sie sich regelmäßig die Hände gründlich waschen.

Das vorgeschriebene Hygienekonzept stellt es den Kindern frei, ihre Masken in der Pause aufzusetzen, doch eben diese Pausen seien schon ein Problem, gesteht Jörn Scherbanowitz. „Kinder wollen sich begegnen. Das ist gerade in den Pausen sehr schwierig, weil die Kinder nicht so spielen können, wie sie wollen. Körperkontakt geht ja nicht“, führt er aus, aber: Die Mädchen und Jungen seien in dieser Hinsicht überaus erfinderisch.

Für die Kinder, die in die Schule gehen dürfen, ab Montag haben auch die Drittklässler dieses Privileg, gibt es keine starren Stundenzeiten. „Nein, wir arbeiten nicht im sonst üblichen 45-Minuten-Takt“, erklärt Scherbanowitz. „Der Unterricht ist auf die Kernfächer reduziert“, schiebt er hinterher.

Durch die Lerngruppen entspanne sich der Unterricht, sei aber auch intensiver und aufwändiger, weil deutlich flexibler agiert werden müsse. Gleichwohl: Den Schulwechsel der Viertklässler an die weiterführenden Schulen sieht Scherbanowitz als unproblematisch.

Corona hat Schule stark verändert. Der Schulleiter sieht die Veränderung bereits als Teil der Schule von morgen. So könne er sich vorstellen, dass mehr daheim gearbeitet werde. Neue Inhalte zu vermitteln sei anspruchsvoll. „Darum mussten wir schauen, welche Aufgaben wir im Rahmen des Homeschoolings stellen“, sagt Scherbanowitz.

Jeder Fachbereich müsse Inhalte erarbeiten und zur Verfügung stellen. Über I-Serve klappe das prima, sogar der Kontakt zum Schulleiter. Anstelle des täglichen Stuhlkreises gibt es nun täglich eine Videokonferenz, auf freiwilliger Basis, aber: „Mir fehlt der direkte Kontakt, die direkte Rückmeldung“, so der Vater zweier Kinder.

Und noch ein Problem sieht er in Sachen Chancengleichheit: Homeschooling finde in den Familien auf unterschiedlichem Niveau statt.

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