Ein Plausch durch Masken geht immer - Neue Helmstedter
10. Mai 2020
Menschen

Ein Plausch durch Masken geht immer

Seit Montag arbeiten die Friseure wieder – Stefanie Gander gibt Eindrücke nach dem Lockdown

Stefanie Gander und Claudius Nitschke stellen symbolhaft die Situation am Arbeitsplatz der Friseure dar. Foto: Erik Beyen

Helmstedt. Seit Montag dürfen die Friseure ihren Kunden wieder an die Haare, allerdings unter strengen Auflagen und enormem bürokratischem Aufwand. Wir haben mit Friseurmeisterin Stefanie Gander und dem Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Helmstedt-Wolfsburg Claudius Nitschke über die ersten Tage unter erschwerten Bedingungen nach dem Lockdown gesprochen. Ein erstes Fazit: mehr Arbeit, mehr Zeitaufwand, geringere Einnahmen. Die Freude überwiegt dennoch.

„Es war, als träfen sich alte Freunde nach langer Zeit wieder“, sagte Stefanie Gander über die Begegnungen mit ihren Kunden. Diszipliniert seien sie alle gewesen, hätten sich an die Regeln gehalten und für alles Verständnis gezeigt. Denn die Rahmenbedingungen sind alles, aber nicht leicht: Kunden und Friseurinnen müssen durchweg Masken tragen. „Das ist die Hölle“, erzählt Stefanie Gander. Nach einem langen Arbeitstag leide man unter Kurzatmigkeit. Das sei sehr unangenehm.

Etwa sechs oder sieben Kunden kann eine Kraft im Salon von Gander pro Tag bedienen. Neun bis zehn wären normal. Von neun Arbeitsplätzen darf die Meisterin, deren Salon sich am Papenberg in Helmstedt befindet, nur drei nutzen. Nach jedem Schnitt folgt eine gründliche Reinigung, die Maske wird gewechselt. Um einen Teil des daraus resultierenden Verlustes abzufangen, hat sie die Öffnungszeiten verlängert und die Preise moderat um etwa fünf Prozent angezogen. Doch selbst das reicht nicht. „Man muss davon ausgehen, dass die Umsätze um ein Drittel geringer ausfallen als in der Zeit vor dem Lockdown. Da sind die unumgänglichen Preissteigerungen von 10 bis maximal 20 Prozent bereits berücksichtigt.

Grundsätzlich begrüßen wir aber, dass die Salons wieder arbeiten dürfen. Der Schutz der Menschen steht natürlich an erster Stelle“, sagt Claudius Nitschke von der Kreishandwerkerschaft Helmstedt-Wolfsburg. „Na ja, längere Öffnungszeiten bedeuten gleich mehr Personal“, ergänzt Stefanie Gander. Sie hoffe, dass sich irgendwann wieder alles normalisiert. Zu tun hat sie bis dahin reichlich. „Unser Terminplan ist bis Mitte Juni voll“, so die Lehrlingswartin der Friseurinnung Helmstedt. Ohne Termin gibt es keinen Schnitt, und ohne die Aufnahme der Kontaktdaten der Kunden ebenso nicht.

Übrigens: Wimpern, Bart, Augenbrauen oder Nasenhaare, Kaffee oder Zeitung für den Gast – alles tabu. Aber ein Plausch durch die Masken geht wohl immer.

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