Einmal nach den Sternen greifen - Neue Helmstedter
8. Mai 2020
Menschen

Einmal nach den Sternen greifen

Bianca Schuchardt erobert die Männerdomäne Luft- und Raumfahrt

Ingenieurin Bianca Schuchardt forscht derzeit an unbemannten Drohnen, die im maritimen Einsatzgebiet der Bundespolizei Lagebilder erfassen und sicherheitskritische Situationen erkennen können. Foto: Lüer

Lehre. So unendlich das All auch sein mag, aus weiblicher Sicht ist es immer noch ein Raum der begrenzten Möglichkeiten und vorwiegend eine Männerdomäne: Weltweit sind erst 60 Frauen im Orbit gewesen. Darunter noch keine einzige Deutsche.

Einmal nach den Sternen greifen, das wollte auch Dr. Bianca Schuchardt aus Lehre. Und so bewarb sich die 34-Jährige bei der Initiative „Die Astronautin“, die im Frühjahr 2021 erstmals eine Deutsche zur Internationalen Raumstation ISS fliegen lassen will.

„Die Bewerbung begann ganz klassisch mit Lebenslauf und Motivationsschreiben“, erzählt Bianca Schuchardt, „außerdem sollte ein Bewerbungsvideo eingereicht und ein medizinischer Fragebogen ausgefüllt werden.“ Die Ingenieurin, die beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Institut für Flugführung arbeitet, landete schließlich bei 400 hoch qualifizierte Bewerberinnen – Naturwissenschaftlerinnen, Pilotinnen, Ingenieurinnen – unter den Top-90-Kandidatinnen.

„Leider wurde ich dann nicht für die eigentliche Ausbildung zur Astronautin ausgewählt“, bedauert Bianca Schuchardt. Den Luftraum erobert die zweifache Mutter trotzdem.

So entwarf sie 2017 ein Pkw-ähnliches Steuerungskonzept für den Einsatz im Hubschrauber. Und derzeit arbeitet sie an unbemannten Luftfahrzeugen, die im maritimen Einsatzgebiet der Bundespolizei Lagebilder erfassen und sicherheitskritische Situationen erkennen können.

„Drohnen können die Arbeit der Bundespolizei enorm erleichtern“, erläutert Schuchardt. „Technologien, die wir an solchen unbemannten Systemen erforschen, können später auch für bemannte Systeme oder autonome Lufttaxis eingesetzt werden.“

Bianca Schuchardt hat ihre Entscheidung, Maschinenbau beziehungsweise Luft- und Raumfahrttechnik zu studieren, nie bereut.
Sie will beim DLR bleiben, sagt die 34-Jährige. Weiter forschen. Und Beispiel für junge Frauen sein. Eine Inspiration eben „für jeden, der einen großen Traum hat und hart dafür arbeitet, diesen Traum wahr werden zu lassen.“

Drei Fragen an… Dr. Bianca Schuchardt

Dass Frauen ins All fliegen, ist längst nichts Neues. Aber bei den Außeneinsätzen hapert es bislang besonders mit der Gleichberechtigung. Bianca Schuchardt, Ingenieurin am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Institut für Flugführung, möchte jungen Frauen Mut machen, sich für die Wissenschaft zu entscheiden. Wir sprachen mit der 34-Jährigen über Anerkennung und Unterstützung.

Frau Schuchardt, was hat Sie an der Idee fasziniert, in den Weltraum zu fliegen?
Für mich war es ein Kindheitstraum, eines Tages ins All fliegen zu können. Das Gefühl, sich in der Schwerelosigkeit zu bewegen und von so weit oben auf unseren Planeten blicken zu können, stelle ich mir einzigartig vor. An dieser Mission hat mich außerdem gereizt, dass die ausgewählten Frauen als Botschafterinnen und Vorbilder für andere Frauen und Mädchen dienen können.

Was raten Sie jungen Frauen, wenn sie den Wunsch haben, Wissenschaftlerin zu werden?
Ich kann nur sagen, traut euch! Natürlich ist es anfangs ungewohnt, mit nur wenigen anderen Frauen oder sogar allein unter Männern zu studieren oder zu arbeiten. Aber im Nachhinein betrachtet hatte ich dadurch eher Vor- als Nachteile. Die Anerkennung und Unterstützung an der Uni und auch im DLR sind großartig.

Frauen im MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik)-Bereich sind immer noch rar. Wie lässt sich dies ändern?
Ich finde es wichtig, die Diskussion anzuregen und aufrecht zu erhalten, dass auch Frauen in diese Berufe gehören. Es sollte selbstverständlich sein, dass nicht nur in gemischten Teams gearbeitet wird, sondern dass diese auch von Frauen geführt werden. Es ist wichtig zu zeigen, dass wir Frauen uns in vermeintlichen Männerdomänen durchsetzen und auch gegen Widerstände unsere Ziele erreichen können.

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