3. Mai 2020
Menschen

„Öffnung muss wirtschaftlich sein“

Gastronomen im Landkreis Helmstedt klagen an – 30 bis 40 Prozent stehen vor dem Aus

Martin Klein, Inhaber der Alten Wache in Mariental, würde seinen Biergarten sehr gern wieder für Kunden öffnen. Er glaubt aber nicht mehr an ein baldiges Ende des Lockdowns. Foto: Beyen

Helmstedt. Die Lage ist dramatisch: Durch den rigorosen Lockdown und die bislang zumindest nicht vorhandene Aussicht auf Wiedereröffnung stehen vermutlich 30 Prozent der Gastronomen im Landkreis Helmstedt und in Niedersachsen vor dem Aus.

Daran könnten auch die Landeshilfen und die in Aussicht gestellten Kredite der N-Bank nichts ändern. So sieht das der stellvertretende Vorsitzende der DEHOGA Wolfsburg-Helmstedt des Bezirksverbandes Braunschweig-Harz Florian Hary. Mit ihm und einigen Gastronomen im Landkreis haben wir über die Folgen des Lockdowns im Zuge der Corona-Pandemie gesprochen. Einmütig fordern sie: Der Lockdown muss beendet werden.

Sabine Lohmann aus Papenrode führt das Café Reinhards in der Galerie Velpke in der Nordkreisgemeinde Velpke. „Was soll ich da schönreden, uns fehlt einfach das Geld“, sagte sie in einem Telefonat mit unserer Zeitung. Sie könne noch froh sein, dass sie Haus und Garten habe, erklärte sie weiter. „Wir haben Geld vom Staat bekommen, und konnten damit zum Beispiel drei Mieten für das Lokal zahlen. Außerdem haben wir Rücklagen.“

Allerdings wisse ja niemand, wie es weitergehen soll. „Wir haben 56 Plätze, was machen wir, wenn sich Familienfeiern ansagen, alle auf Distanz setzen?“ Sie könne die Maßnahmen verstehen, freut sich aber jetzt schon, wenn sie die Türen des Cafés endlich wieder öffnen darf.

Florian Hary vertritt an die 100 Betriebe in der Region Helmstedt-Wolfsburg. „Wir müssen davon ausgehen, dass 30 Prozent unserer Gastronomen aufgeben, wenn das nicht jetzt sofort aufhört“, erklärte er, und damit meinte er eigentlich schon vor 14 Tagen. „Wir betrachten die Situation differenzierter, denn wir haben kleine und Kleinstbetriebe, große Hotelketten. Bei letzteren ist die Liquidität ganz anders“, führt er aus und denkt auch an Betriebe, die gerade erst übernommen worden sind. Die Häuser seien so unterschiedlich, aber: „Da wird die Luft irgendwann eng.“

Hary fordert eine Öffnung der Gastronomie unter wirtschaftlichen Aspekten, also mit entsprechenden Konzepten und einer sofortigen wie angebrachten staatlichen Unterstützung. Mit der versprochenen Hilfe über die N-Bank haben die meisten Gastronomen aus seinem Umfeld demnach eher schlechte Erfahrungen. Fakt sei aber auch: „Es gibt Studien, die von einer Normalität erst in 2023 sprechen.“

Von dieser Normalität ist auch das Restaurant Alte Wache in Mariental noch weit entfernt. Inhaber Martin Klein fordert, dass die Betriebe Konzepte erstellen dürfen, mit denen sie belegen, dass etwa Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden können. Damit will er eine möglichst baldige Wiedereröffnung erreichen. „Wir haben jetzt sechs Wochen geschlossen, und ich gehe davon aus, dass noch eine siebte und achte Woche hinzukommt. Wir müssen bald wieder in das normale Geschäft kommen“, sagte er und sieht auch die Probleme anderer: „Es ist Spargelzeit, die Bauern werden ihre Ware nicht los, auch die Kartoffelbauern nicht.“

Sibylle Rademacher aus Wendhausen führt das Autohofrestaurant BS-Ost. Sie hadert mit der Art und Weise, in der die Menschen, wie sie sagt, im Unklaren gelassen werden. Mit Verlusten hat sie sich abgefunden, auch die Rettung ihres gesunden Betriebes über einen Kredit, den sie aufnehmen muss, akzeptiert sie inzwischen, aber: „Was macht das alles mit unserer Gesellschaft und mit jedem einzelnen Menschen“, fragt sie.

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