25. April 2020
Menschen

Lebensmittel-Lieferung für Bedürftige

Helmstedter Tafel hat wegen der Corona-Krise Bringdienst eingerichtet – Die eigenen Räume bleiben vorerst zu

Nadine Kummert und Anja Siefers liefern Lebensmittel für Bedürftige aus. Foto: Erik Beyen

Helmstedt. Nadine Kummert und Anja Siefers klingeln an der Haustür eines Mehrfamilienhauses. An drei Tagen in der Woche tun sie das immer wieder, denn sie bringen Menschen den Grundbedarf an Lebensmitteln bis vor die Tür.

Kummert und Siefers gehören zur Helmstedter Tafel, und die hat einen Bringdienst für Menschen eingerichtet, die in Corona-Zeiten zu den Risikogruppen gehören oder schlecht zu Fuß sind. Die Türen zu den Räumen der Tafel sind der Krise wegen noch geschlossen. Dennoch will das Tafel-Team die Bedürftigen nicht vergessen. Wir haben die Ehrenamtlichen um die Leiterin der Tafel, Nadine Kummert, begleitet.

Montags, mittwochs und freitags macht sich Kummert mit wechselnder Begleitung auf den Weg. An diesem Freitag ist Anja Siefers mit von der Partie. Die beiden sind nicht allein. Ein Team von Ehrenamtlichen sortiert die Lebensmittel und Blumen, die ein weiteres Team in Supermärkten abgeholt hat. Margrit Niemann und Daniela Siefers waren am Vortag unterwegs. Als wir auf die beiden Ehrenamtlichen treffen, verladen sie gerade ein paar Kisten an der Laderampe eines Lidl-Supermarktes. Später geht die Tour weiter. Supermärkte und Bäcker aus Schöningen, Helmstedt, Grasleben und Wolsdorf unterstützen die Tafel-Arbeit.

Die Räume der Tafel sind beengt. „Darum haben wir im Moment auch keinen Publikumsverkehr“, erklärt Nadine Kummert, „wir müssen unsere Helfer und die Menschen schützen.“ Aus diesem Grunde arbeitet das Team auch in kleiner Besetzung. Alle tragen sie Masken, die Mund und Nase abdecken. Sortiert wird in grünen Plastikstapelkisten. Kühlware geht sofort in die Kühlschränke oder eine Tiefkühltruhe. Und dennoch: „50 Prozent der gespendeten Waren müssen wir aussortieren, weil sie nicht mehr für die Weitergabe geeignet sind“, sagt Anja Siefers.

Zwei Arten von Kisten packt das Team für die Freitagstour: Familienkisten und Kisten für Alleinstehende oder Zwei-Personen-Haushalte. Das Tafel-Team kennt seine Kunden, Kummert und Siefers wissen, welche Kiste für wen gedacht ist. Was sie da reinpacken, reicht für eine Woche: Obst, Gemüse, Milchprodukte, Fleisch, Wurst, Brot, Kuchen. Entscheidend ist, was die Tafel von ihren Zulieferern bekommt. Mehl und Milch sind in diesen Tagen Mangelware.

Mehrere Stunden sind die beiden Frauen mit dem Kühlwagen unterwegs. Sie haben zwei Rollwagen dabei, denn die Kisten wiegen gut 25 Kilogramm und mehr. Diese Gewichte werden mehrfach gewuchtet, beim Einholen, Aussortieren und Verteilen, ein Knochenjob, den sie alle freiwillig zum Wohle anderer machen. Da tut es gut, wenn die Menschen, denen sie ihre Grundversorgung bringen, ihnen freundlich begegnen. Für eine große Kiste zahlen die Kunden drei Euro und zwei Euro für den Bringdienst.

Natürlich kann der gemeinnützige Verein nicht alle Kunden beliefern. „Wir haben bewusst die Alten und Gefährdeten ausgewählt“, so Nadine Kummert und verweist darauf, dass es auf die Versorgung durch die Tafel keinen Rechtsanspruch gibt.

Apropos: Auch die Tafel ist immer wieder auf Hilfe angewiesen. Infos gibt es unter www.helmstedter-tafel.de.

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