Zu wenige Helfer bei der Spargelernte - Neue Helmstedter
27. März 2020
Umwelt

Zu wenige Helfer bei der Spargelernte

Auch Helmstedts Landwirte fürchten derzeit die Auswirkungen des Coronavirus

Die landwirtschaftlichen Betriebe haben momentan nicht die Leute, um Spargel zu ernten. Links im Bild: Kreislandwirt Gerhard Rott. Foto: pixabay

Helmstedt. Bis zur Spargelernte Anfang April ist es nicht mehr lange. Die Zeit bis dahin wird für die Landwirte im Landkreis Helmstedt eine Nervenprobe. Sie wissen nicht, ob die Helfer, die jedes Jahr zur Ernte anreisen, ihnen auch diesmal wieder zur Seite stehen. Denn: Die Grenzen sind wegen der Corona-Krise geschlossen oder es werden verstärkt Kontrollen durchgeführt.

„Normalerweise kommen die Erntehelfer unserer landwirtschaftlicher Betriebe aus Polen oder anderen osteuropäischen Ländern. Für viele ist es nicht möglich nach Deutschland zu reisen. Manche haben auch Angst, sich hier mit dem Virus anzustecken. Das stellt unsere Betriebe vor eine riesige Herausforderung, weil sie nun schlichtweg nicht die Leute haben, um Spargel, Erdbeeren oder auch andere Kulturen zu pflegen oder zu ernten“, macht Kreislandwirt Gerhard Rott deutlich.

Landwirtschaftliche Interessenverbände haben die Bundesregierung nun aufgefordert, „die Anreise der ausländischen Saisonarbeitskräfte sicherzustellen“, wie es beim Deutschen Bauernverband heißt. Außerdem fordern sie von der Politik flexiblere Regelungen, „um dringende und für die Lebensmittelversorgung erforderliche Arbeiten erledigen zu können.“

Längere Arbeitszeiten finden sich in dem Forderungskatalog ebenso wie die Verlängerung der Höchstdauer der Beschäftigung. Mit anderen Worten: Weniger Menschen sollen länger arbeiten dürfen, um die Ernte einzubringen.

„Ich glaube, die Politik hat den Ernst der Lage erkannt und wird uns da nicht von der Seite reingrätschen. Einige gute Lösungen für die andauernden Schwierigkeiten konnten bereits gefunden werden“, sagt Rott.

Dem Plan der Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner, Angestellte aus der Gastronomie, die gerade ohne Beschäftigung sind, auf den Feldern arbeiten zu lassen, steht der Kreislandwirt allerdings skeptisch gegenüber: „Es sind alle willkommen, die uns Landwirte unterstützen wollen und können – egal aus welcher Branche sie kommen. Man muss sich aber im Klaren sein, dass einen ganzen Tag lang sechs bis sieben Stunden auf dem Feld zu stehen und Spargel zu stechen, ein ziemlicher Knochenjob ist. Außerdem verlangt die Arbeit mit den zerbrechlichen Stangen viel Gespür und Fingerfertigkeit.“

Optimistisch bleibt Rott angesichts all der ungeklärten Fragen und der Unsicherheit trotzdem. „Wir lassen uns nicht unterkriegen“, sagt er kämpferisch. Wie groß die Einbußen sein werden, sei noch nicht abzuschätzen. „Was wir jetzt brauchen, ist eine Bürokratie der kurzen Wege, damit so schnell es geht neue Erntehelfer ihre Arbeit beginnen können.“

Info

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen möchte mit ihrem Portal AgrarJobBörse (AJB) Betriebe dabei unterstützen, Erntehelfer zu finden und bietet zugleich Arbeitswilligen die Gelegenheit, ihre Unterstützung in der Ernte anzubieten. Menschen auf Jobsuche können unter www.agrarjobboerse.de sehr einfach über ein Formular ein Stellengesuch eintragen.

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