Der Kaiser und die starke Frau

Prof. Dr. Gerd Biegel berichtete im Kaiserdom über Lothar III. und seine Frau Richenza

Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel (rechts) und Dr. Norbert Funke von der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz am wertvollen Kristallleuchter Lothars III. Foto: Werner Gantz

Königslutter. Mittelalterliche Geschichte spannend und launig erzählt: Am Silvestertag erinnerte Professor Dr. h.c. Gerd Biegel, Institut für Braunschweigische Regionalgeschichte, im Kaiserdom an den Süpplingenburger und späteren Kaiser Lothar III.

Die Vorträge haben Tradition: Bereits seit mehr als 20 Jahren bringt Gerd Biegel die Geschichte der Familie am Tag der Grablege Lothars näher. Das Publikumsinteresse ist in der Regel groß, und auch am letzten Tag des Jahres 2019 war der Dom in Königslutter wieder gut besucht.

Im Mittelpunkt des Biegelschen Vortrags stand dieses mal allerdings nicht der Kaiser, sondern seine starke und machtbewusste Frau – Richenza von Northeim.

Mehr noch als ihr Ehemann ist Richenza die zentrale Persönlichkeit im Machtspiel und Machtgefüge Sachsens um die Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert. Erstaunlich, weil das Herrscherbild des Mittelalters überwiegend geprägt war durch fürstliche Männer.

Thomas von Aquin erlaubte sich im 13. Jahrhundert zu verkünden: „Frauen sind ein Missgriff der Natur, denn die volle Verwirklichung der menschlichen Art sind nur Männer.“ Darüber konnten die anwesenden Damen beim Vortrag sich nur wundern und schmunzeln.

Nach ihrer Heirat (um 1100) mit Lothar von Süpplingenburg sah Richenza ihre gesellschaftliche und politische Rolle nicht in beschaulich-höfisch-unterwürfiger Zurückgezogenheit oder gar in liebevoller Unterwürfigkeit des Weibes, sondern als aktiv bestimmender Herrschaftspersönlichkeit.

Richenza verstarb am 10. Juni 1141 im Alter von 54 Jahren und wurde in Königslutter im Dom an der Seite von Lothar III. beigesetzt.

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