70 Jahre lang durch dick und dünn

Jubelehepaar: Elisabeth und Christoph Kronenberger feiern ihre Gnadenhochzeit

Elisabeth und Christoph Kronenberger: Sie haben immer zusammengehalten und blicken hoffnungsvoll nach vorn. Der Zorn der Vergangenheit schwingt allerdings unterdrückt mit, denn so viel Ungerechtes ist geschehen. Foto: Werner Gantz

Süpplingen. Elisabeth und Christoph Kronenberger überlebten mit viel Optimismus und Zuversicht viele Hürden, von denen es im Lebensrückblick der neun Jahrzehnte mit gedämpftem Groll viel zu berichten gibt. So feierte das Seniorenpaar kürzlich im DRK-Pflegewohnheim in Süpplingen im Kreise ihrer Mitbewohner, Familienangehörigen und offizieller Gratulanten nach 70 Jahren gemeinsamen Lebensweg ihre Gnadenhochzeit.

Ihre Urahnen sind Schwaben, erzählen sie, und ihre Sprache verrät das auch. Um das Land dort zu besiedeln, zogen schon im 17. Jahrhundert Familien einiger Völker in Richtung Osteuropa. In der historischen Region, mit den größeren Städten Timisoara und Arad, dem Banat (Herrschaftsbereich), lebte das Jubelpaar bis 1985 in Rumänien im eigenen Haus im Dorf Jahrmarkt. Die Bewohner dort waren alle Deutschstämmige und lebten mit Pflege der Bräuche, Kulturen und der deutschen Sprache.

Hier fand auch die Hochzeit von Christoph Kronenberger und Elisabeth Danneberger am 19. November 1949 mit rund 150 Gästen, also mit allen Erwachsenen im Dorf, statt. Die Feier galt auch dem Überleben der Strafarbeit in Russland. Nach Kriegsende wurde auch das junge Paar für drei Jahre zwangsweise dorthin verschleppt, um Trümmer, die die Deutschen im Krieg verursacht hatten, zu räumen. „Das war speziell für Frauen eine schlimme Zeit“, berichtet Elisabeth Kronenberger.
Die nächste Katastrophe war die Ausweisung aus Rumänien. Nicht nur, dass Hab und Gut dem Staat überlassen werden musste, sondern auch hohe Geldsummen fällig waren. So kamen sie 1985 in Helmstedt an und wurden fürs Erste von Verwandten unterstützt.

Bis zum Rentenalter hat Christoph Kronenberger 40 Jahre lang in seinem erlernten Beruf als Schlosser gearbeitet. Die junge Frau hatte gerade eine Ausbildung zur Weberin begonnen, musste dann jedoch ungewollt nach Russland. Vielerlei Tätigkeiten ging sie in den Ehejahren nach und war zuletzt in Helmstedt dauerhaft in einem Restaurant beschäftigt. Das Paar hat zwei Töchter und zur Familie gehören drei Enkel und drei Urenkel. Alle kümmern sich rührend um Oma und Opa, die seit einem Jahr im Heim in Süpplingen wohnen. Sie brauchen noch keine Pflege in Anspruch nehmen und sind in ihren Lebensjahren 91 und 92 noch erstaunlich mobil.

Und womit beschäftigen sie sich? Neben den Angeboten, die es im Haus und in der benachbarten Kirche gibt, mit Fernsehen und getrennt mit Computerspielen. In dem Alter erstaunlich! Während er hauptsächlich gegen den PC Schach spielt, hat die Hausfrau einen nagelneuen Laptop bekommen, auf den die Enkel für Oma immer wieder neue Apps aufspielen. Tochter Magdalena aus Helmstedt schaut oft zu ihren zufriedenen Eltern ins Heim.

Christoph Kronenberger und Elisabeth Danneberger feierten am 19. November 1949 mit rund 150 Gästen ihre Hochzeit. Foto: Privat
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