Gekommen, um zu pflegen - Neue Helmstedter
22. November 2019
Menschen

Gekommen, um zu pflegen

Die philippinischen Pflegekräfte Ricah Froilan und Dominic Sabile sind im APZ eingesetzt

Ricah Froilan und Dominic Sabile unterstützen und pflegen alte Menschen. Die beiden stehen im Awo Psychiatriezentrum Königslutter vor einer Haltestellen-Attrappe, die Demenzkranken helfen soll, zur Ruhe zu kommen. Foto: Lüer

Königslutter. Sechs Monate ist es her, dass Ricah Froilan und Dominic Sabile auf den Philippinen in ein Flugzeug gestiegen sind, um in Deutschland einen Job zu beginnen und ein neues Leben aufzubauen. Seither sind sie als Pflegekräfte im Awo Psychiatriezentrum (APZ) Königslutter in der Klinik für Gerontopsychiatrie eingesetzt.

Schon in ihrer Heimat haben Ricah und Dominic alten Menschen geholfen. „Ich habe mich für diese Arbeit entschieden, weil ich denjenigen helfen möchte, die Hilfe benötigen“, erklärt Rica und fügt hinzu: „Mein Beruf ist die Pflege. Es macht mir viel Spaß.“

Ricah kann Deutsch, ein bisschen, lieber spricht sie Englisch. Im Umgang mit den Patienten ist das kein Problem: „Wenn es mit der Sprache noch nicht klappt, dann wird mehr auf Gestik und Mimik geachtet und das funktioniert“, sagt die junge Frau.

Anpassungsprobleme haben die Pflegekraft-Neuzugänge bisher keine. Obwohl die Klimaunterschiede zwischen dem Inselstaat im Pazifik und Deutschland kaum größer sein könnten. „Auf den Philippinen ist es grundsätzlich sehr tropisch. Die Temperaturen sind das gesamte Jahr über hoch und liegen im Durchschnitt bei etwa 26 bis 27 Grad Celsius“, schildert Dominic die dortige Lage und lacht: „An das graue, kalte Wetter hier werde ich mich erst noch gewöhnen müssen.“

Deutsche Krankenhäuser, ambulante Pflegedienste und Seniorenheime haben aktuell massive Probleme, Mitarbeiter zu finden. Es fehlt an Fachkräften. Die Folge: Viele Stellen sind unbesetzt, die Arbeitsbelastung für die bestehenden Teams steigt stetig an. Immer mehr Einrichtungen setzen daher auf Pflegekräfte aus dem Ausland. So auch das APZ, das viel Lob für seine neuen Helfer ausspricht.

Auf den Philippinen ist Krankenpflege ein Studienfach, es gibt dort mehr Absolventen als Arbeitsplätze. Wer irgendwann einen bezahlten Job ergattert, verdient höchstens 400 Euro im Monat. „Hier in Deutschland haben wir viel mehr Möglichkeiten unseren Pflegeberuf, unsere Leidenschaft, auszuüben. Außerdem verdienen wir mehr Geld“, betont Dominic. Er weiß zu schätzen, dass das deutsche Gesundheitssystem gut aufgestellt ist, dass alle verpflichtet sind, sich in einer gesetzlichen Krankenkasse zu versichern, und dass jeder stets bestmöglich versorgt wird.

Auf die Frage, ob für sie im neuen Land etwas seltsam ist, finden Ricah und Dominic keine Antwort: „Jeder ist so unglaublich freundlich, alles ist so organisiert, ich fühle mich wirklich wohl hier“, macht Ricah deutlich und Dominic stimmt zu.

Ziel der beiden ist es nun, dass ihr Examen, das sie in ihrem Heimatland abgelegt haben, auch hier in Deutschland anerkannt wird, dazu gehört unter anderem auch, dass sie die deutsche Sprache beherrschen. Die philippinischen Pfleger aber sind zuversichtlich: „Wenn wir bestehen, dann möchten wir auch hier in Königslutter bleiben.“ Nicht nur die Patienten würden sich darüber sehr freuen.

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