2. August 2019
Allgemein

Nach Absage: Enttäuschung ist groß

Heute hätte das Festival „Rave in the Sun“ stattfinden sollen, doch daraus wird nichts

Das Rave-Festival, das eigentlich am heutigen Samstag in Helmstedt stattfinden sollte, wurde abgesagt. Für die Fans der Szene keine nachzuvollziehende Entscheidung. Der Unmut in den sozialen Netzwerken ist groß. Foto: Symbol-Imago/Reichwein

Helmstedt. Die Absage kam unerwartet – auch für die NH, die zu dem Zeitpunkt bereits gedruckt wurde: An diesem Samstag hätte das 1. Rave-Festival in Helmstedt stattfinden sollen. Doch dann machte der Veranstalter plötzlich einen Rückzieher.

Der Zuspruch aus der Raverszene sei im Vorfeld deutlich höher ausgefallen als erwartet, teilte Peter Groß, Sprecher der Ravefreunde der elektronischen Musik, schriftlich mit. Das Festival wurde aus Platzgründen deshalb abgeblasen und kurzfristig nach Braunschweig verlagert. Es findet jetzt am 31. August von 14 Uhr bis 4 Uhr am Kennelwegplatz statt.

Für die Fans der Szene eine unverständliche Entscheidung. Die Kritik in den sozialen Netzwerken reißt seit der Bekanntgabe nicht ab. „Schade, dass Helmo ausstirbt und für die jungen Leute kulturell nichts geboten wird“, lautet einer der Vorwürfe an die Adresse des Vereins und an die Stadt Helmstedt. Wir haben uns mit Peter Groß von den Raverfreunden unterhalten und auch bei der Verwaltung um eine Stellungnahme nachgefragt.

Peter Groß. Foto: Jürgen Paxmann

Seit sechs Jahren veranstaltet Peter Groß Techno-Festivals. In der Szene ist er mit dem Open-Air-Format „Deep del Sol“ bekannt geworden – eine eher kleine, familiäre Veranstaltung, die zuletzt am 22. Juni in Braunschweig anlässlich der Kulturnacht stattfand. Eigentlich wollte sich der 57-Jährige danach aus dem Festival-Getriebe zurückziehen, doch die Aussicht, erstmals ein Rave-Festival auch in Helmstedt veranstalten zu können, reizte den Süpplinger. Das „Aus“ ist auch für ihn nicht leicht zu akzeptieren.

Herr Groß, unmittelbar nach der Absage gab es auf Ihrer Facebook-Seite „Rave in the Sun-Openair-Fest“ einen Sturm der Entrüstung. Viele enttäuschte Raver beklagten, dass Helmstedt gegenüber anderen Städten mal wieder den Kürzeren gezogen hat. Wie gehen Sie mit der Kritik um?

Ich kann den Ärger und den Frust verstehen, aber letztlich sind wir an den Rahmenbedingungen gescheitert.

Was heißt das?

Ich hatte das Gefühl, dass die Stadt uns nach ersten guten Vorgesprächen im Herbst 2018 in den letzten Wochen Steine in den Weg legen wollte. So gab es zum Beispiel Bedenken, dass im Umfeld des Festivals Drogen konsumiert würden, außerdem hätte es im Vorfeld Beschwerden von Helmstedter Bürgern gegeben. Dabei haben wir uns an alle Auflagen gehalten – zum Beispiel, was die Bereitstellung der Toiletten als auch das Sicherheitspersonal betrifft.

Letztlich scheiterte es aber doch daran, dass das Veranstaltungsgelände, der Kaisergarten in Helmstedt, zu klein war. Hätten Sie als erfahrener Veranstalter nicht vorher wissen müssen, wie viele Besucher zu einem Festival dieser Art kommen?

Nein. Genau das lässt sich im Vorhinein ganz schwer einschätzen. Nehmen Sie das Festival im Juni in Braunschweig: 4000 Raver hatten sich über Facebook auf die Gästeliste setzen lassen, gekommen sind dann 630. Der Stadt Helmstedt hatte ich vorher gegenüber geäußert, dass es um die 600 Besucher sein könnten und selbst bei 1000 Ravern hätte es keine Probleme gegeben, denn zu solch einem Festival kommen nie alle auf einmal; es ist ein ständiges Kommen und Gehen

Wie sieht die Zukunft also aus? Wollen Sie sich mit der Stadt Helmstedt noch einmal an einen Tisch setzen – eventuell für ein Festival im nächsten Jahr?

Im Moment sehe ich das nicht. Braunschweig scheint mir da ein sichereres Pflaster zu sein. Außerdem denke ich schon länger daran, mich aufgrund meines Alters aus der Szene zurückzuziehen.

Das meint die Stadt Helmstedt zu den Vorwürfen:

Zum Thema Größe des Veranstaltungsgeländes:

Die Entscheidung über die Verlegung traf der Veranstalter. Seine Veranstaltung war vom Sicherheitskonzept her auf 600 Personen ausgelegt gewesen, davon maximal 300 zur selben Zeit.
Bei einer Veranstaltung mit über 1000 Besuchern zeitgleich hätte er sein Sicherheitskonzept überarbeiten müssen, um zum Beispiel im Falle einer Panik die Sicherheit der Besucher gewährleisten zu können.
Aufgrund des geringen zeitlichen Vorlaufes konnte er dieses nicht leisten und hat daher die Veranstaltung abgesagt. Die Veranstaltungsfläche selber hätte Platz für mehr als 600 Personen geboten.
Ein Ausweichgelände wurde Herrn Groß bereits im Vorfeld der Erteilung der Nutzungserlaubnis von der Stadt Helmstedt angeboten. Es handelt sich hierbei um den Messeplatz in der Neuen Breite.

Hätte der Skaterpark im Kaisergarten für ein Rave-Festival ausgereicht? Die Meinung von Stadt und Veranstalter gehen da auseinander. Archiv-Foto: Jürgen Paxmann/BZV

Zum Thema Drogen:

Wenn die Stadt Helmstedt Bedenken gehabt hätte, hätte sie keine Nutzungserlaubnis erteilt. Fakt ist, dass die Stadt Helmstedt die Veranstaltung nach den oben erwähnten Angaben genehmigt hat.

Zum Thema Zukunft eines Rave-Festivals:

Die Stadt Helmstedt ist grundsätzlich bereit, Veranstaltungen wie das Rave-Festival zu unterstützen.

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