Die Mami-Macherin

Beata Brzostowska ist als Hebamme in Helmstedt tätig

Beata Brzostowska ist seit 26 Jahren Hebamme in Helmstedt. Bis heute hat sie ihre Berufswahl nicht bereut. Foto: Helios Klinik St. Marienberg/oh

Helmstedt. Am Sonntag (12. Mai) ist Muttertag. Jede Mama kann sich noch genau an die Geburt ihrer Kindern erinnern – und meist auch an ihre Hebamme.

Eine, die inzwischen schon über 5 000 Babys mit auf die Welt gebracht hat, ist Beata Brzostowska. Seit 1993 ist sie in der Helios St. Marienberg Klinik Helmstedt, damals noch Kreiskrankenhaus, tätig und kümmert sich seit mehr als 25 Jahren auch freiberuflich um Mütter und Neugeborene. Ihr Beruf hat sich seither in vieler Hinsicht verändert, ebenso wie die Praktiken rund um die Geburt.

Der Wunsch, Hebamme zu werden, kam, als Beata Brzostowska im letzten Schuljahr bei der Hausgeburt ihrer Cousine dabei war. „Für mich war es ein unglaubliches Erlebnis, als das Kind zur Welt kam. Ich habe die Geburt als absolutes Wunder empfunden“, erzählt sie noch heute voller Begeisterung.

Beeindruckt von der Arbeit der Geburtshelferin stand für Beata Brzostowska schnell fest: „Ich werde Hebamme.“ Und so besuchte die damals 19-Jährige nach ihrem Abitur die Hebammenschule in Warschau. Zweieinhalb Jahre später schloss sie ihre Ausbildung schließlich erfolgreich ab und sammelte ab 1980 in einem der größten Kreißsäle Polens, in dem jeden Monat bis zu 300 Kinder geboren werden, erste Berufserfahrung. Als Beata Brzostowska 1990 nach Deutschland kam, hatte sie in Polen schon mehr als 3 000 Kindern auf die Welt geholfen.

In Deutschland musste die Hebamme dann erst ein Anerkennungsjahr absolvieren, in dessen Rahmen sie ein Praktikum 1993 nach Helmstedt führte – und seither nicht wieder weg. 1994 begann Beata Brzostowska zusätzlich als freiberufliche Hebamme zu praktizieren. Auf diese Weise war es ihr möglich, werdende Familien rundum zu betreuen – vom Geburtsvorbereitungskurs über die Geburt bis hin zur Nachsorge.

Heute stellt der Spagat zwischen Kreißsaal und Freiberuflichkeit Hebammen vor immer größer werdende Herausforderungen: Aufgrund vergleichsweise kurzer Liegezeiten sind die Nachsorgeansprüche der Frauen gewachsen. So ist die Nachsorge im letzten Jahr von zwei auf drei Monate gestiegen. „Da ich Vollzeit in der Klinik tätig bin, kann ich in der Nachsorge nur maximal vier Frauen pro Monat betreuen“, erklärt Beata Brzostowska.

Obwohl die Freiberuflichkeit aufgrund ständig steigender Anforderungen an Qualitätsmanagement, Dokumentation und Versicherungen immer schwieriger wird, möchte die 61-Jährige darauf aber auch nicht verzichten. Hier sieht Beata Brzostowska die Gesundheitspolitik in der Pflicht, die Freiberuflichkeit mit einer besseren Vergütung attraktiver zu machen. Trotz aller Herausforderungen: „Im nächsten Leben würde ich wieder Hebamme werden. Es ist das Schönste für mich, die Kinder auf die Welt zu holen.“

Auch das eigenständige Arbeiten schätzt Beata Brzostowska an ihrem Beruf, der ihr nach so langer Zeit noch immer Spaß macht. „Hebamme zu sein, ist ein wunderbarer und vielfältiger Beruf“, schwärmt sie und erzählt von den strahlenden Augen junger Mütter und den Tränen frisch gebackener Väter. In ihrer 39-jährigen Tätigkeit als Hebamme habe sich aber auch so manches verändert.

Während in ihren ersten Berufsjahren Väter ihre Kinder erst nach drei Tagen gesehen haben, können sie heute bei der Geburt dabei sein. „Als ‘Mitschuldiger’ sollte der werdende Vater an diesem Erlebnis teilhaben und die Frau mit der Entbindung nicht allein lassen“, sagt die Hebamme.

Väter, die sich bei der Geburt überflüssig vorkommen und hilflos fühlen, kann Beata Brzostowska beruhigen: „Der Mann ist im Kreißsaal eine riesige Unterstützung. Es hilft der Frau und beruhigt sie ungemein, wenn jemand da ist, der einfach nur die Hand hält, ein gutes Wort spricht oder ein Glas Wasser reicht.“ Überhaupt sind Geburten heute deutlich familiärer geworden. Im Rahmen der ambulanten Geburt, besteht die Möglichkeit bereits zwei Stunden nach Entbindung nach Hause zu gehen – sofern gesundheitliche Gründe nicht dagegen sprechen.

Auch die Mütter hätten sich in den vergangenen 39 Jahren deutlich verändert. „Die Frauen machen sich viel mehr Gedanken, sie haben panische Angst vor den Schmerzen und sind verunsichert über den Geburtsverlauf“, sagt Beata Brzostowska und fügt vielsagend hinzu: „Daran ist Doktor Google Schuld.“

Deswegen lautet ihr erster Rat an werdende Mütter, die sich wegen der Hebammenknappheit inzwischen schon kurz nach dem positiven Schwangerschaftstest melden: „Doktor Google ausschalten, auf sich hören, die Schwangerschaft genießen und sich nicht so viele Gedanken machen. Die Entbindung soll ein schönes Erlebnis und nicht mit Angst verbunden sein.“

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