4. Mai 2019
Menschen

„Niemand soll sein Gesicht verlieren“

Carola Jacobs-Schütte ist für fünf weitere Jahre Schiedsfrau in der Samtgemeinde Velpke

Carola Jacobs-Schütte beginnt im Juni ihre zweite Amtszeit als Schiedsfrau für den Schiedsbezirk 1 in der Samtgemeinde Velpke. Foto: Erik Beyen

Velpke. Eine weiße Weste, zumindest polizeilich, und eine große Portion Empathie seien zwei der wichtigsten Voraussetzungen für das Amt einer Schiedsperson. Carola Jacobs-Schütte hat beides. Im Juni beginnt ihre zweite Amtszeit als Schiedsfrau für den Schiedsbezirk 1 in der Samtgemeinde Velpke. Er schließt die Gemeinden Danndorf, Groß Twülpstedt und Bahrdorf ein. Mit unserer Zeitung sprach sie über das Schiedsamt und Dinge, die die Menschen bewegen.

Niemand, sagte sie, solle bei ihr sein Gesicht verlieren. „Ich habe festgestellt, dass viele Menschen erst einmal etwas loswerden wollen, und zwar bei jemandem, der ihnen auch zuhört und sie ernst nimmt“, erzählt Carola Jacobs-Schütte. Gerade Zuhören sei offenbar enorm wichtig, handele es sich bei vielen Streitigkeiten doch um Altlasten, Differenzen, die sich über viele Jahre aufgebaut haben. Oft seien das Nichtigkeiten, wie Gartengestaltung oder Grünüberhang. „Alte Sachen sind sehr schwer zu lösen“, sagt Jacobs-Schütte, und doch erreicht sie in den meisten dieser alten Fälle wohl eine Einigung.

2018 habe sie zwischen 30 und 40 Fälle bearbeitet. Nur zwei habe sie letztlich schriftlich festgehalten und eine Erfolglosigkeits-Bescheinigung ausgestellt. „Es müssen schon beide Seite mit mir sprechen wollen und an einer Einigung interessiert sein“, macht die ehemalige Lokalpolitikerin deutlich.

In Streit geraten die Menschen offenbar recht schnell, wenn etwa Haustiere im Spiel sind, die Vorstellungen über die Gartengestaltung auseinandergehen oder über Zäune, die zu ziehen sind. Dabei stellt Carola Jacobs-Schütte klar: „Die Schlichtung ist keine Rechtsberatung, sondern der Versuch, einen Rechtsstreit zu vermeiden.“ Der zerstöre letztlich eine nachbarschaftliche Beziehung endgültig.

Jacobs-Schüttes Rezept: „Ich gehe immer hin und her, erst zum Antragssteller, dann zum Antragsgegner. Schon das ist schwer, denn die meisten wollen das eigentlich nicht.“ Danach müsse sie oft lange über eine Lösung nachdenken, manchmal ein halbes Jahr lang.

Ihr Netzwerk hilft ihr dabei, und doch: „Mancher Streit zieht sich schon über Generationen hin. Diese Fälle vererben sich die Schiedsleute letztlich.“ Schlichten könne man grundsätzlich alles, wenn die Bereitschaft der Menschen dazu bestehe. Natürlich könne sie echte Schiedsverfahren führen, Ordnungsgelder oder gar Zwangsgelder verhängen, aber: „Das bringt doch alles nichts“, findet die Schiedsfrau. Solche Sanktionen seien geeignet, ein angekratztes Klima endgültig zu vergiften.

Übrigens: Schiedsleute werden umfangreich geschult, nach vielen Eingaben nun auch mit Rollenspielen zur Übung, aber: Das Rechtssystem benötige eine Modernisierung, ist sich Carola Jacobs-Schütte sicher. Um den Schiedsbezirk 2, also die Gemeinden Velpke und Grafhorst, kümmert sich übrigens Rainer Gützkow. Die Kontaktdaten der Schiedspersonen sind auf der Internetseite der Samtgemeinde Velpke unter www.velpke.de nachzulesen.

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