„Kaiserin“ Elisabeth im Königshof - Neue Helmstedter
3. Mai 2019
Kultur

„Kaiserin“ Elisabeth im Königshof

Musikverein Groß Steinum gab im Avalon Hotelpark ein viel beklatschtes Frühlingskonzert

Im Kostüm der Elisabeth steckte Gabi Timpe. Sie legte "Ich gehör nur mir" auf die Bretter und begeisterte das Publikum damit. Foto: Erik Beyen

Königslutter. Ein umjubeltes Konzert zum Frühling legte der Musikverein Groß Steinum im Avalon Hotelpark Königslutter hin. 350 Menschen waren in den Saal des Königshofes gekommen, um eine Reise durch verschiedene musikalische Welten zu erleben. Das Blasorchester hatte sein Publikum schon mit den ersten Klängen auf seiner Seite.

Zu Beginn entschuldigte sich der musikalische Leiter Frank Bickmeier bei den zumeist älteren Menschen im Saal: „Wir haben lange und viel geprobt. Trotzdem kann sich hier und da mal ein falscher Ton einschleichen. Wir sind alle Hobbymusiker.“ Mit dieser Art der Moderation werden Erwartungen gesenkt. Im schlimmsten Fall entsteht der Eindruck der Laienhaftigkeit. Bickmeier hatte weder eine Entschuldigung nötig, noch war das, was da musikalisch von der Bühne kam, in irgendeiner Weise laienhaft.

Im Gegenteil: Man fühlte die Liebe zur Musik. Ja, es gab hier und da mal eine kleine Disharmonie. Bei so einem Programm, das einer Zeit- und Weltreise durch die Musik glich, sowie einem Repertoire von 560 Stücken passiert das selbst Profimusikern von Zeit zu Zeit. Sie hatten sich schwere Kost ausgesucht, etwa für die Reise nach Russland, dort hin „Wo die Wolga fließt“. Das war ein Medley, das an Tempiwechseln kaum zu überbieten ist.

Und damit nicht genug. Das Programm widerlegte das gern bemühte Klischee einer verstaubten Blasmusik. Die war an diesem Tag alles, aber kein Rumtata. Die Klänge der Frauen und Männer auf der Bühne schmeichelten den Seelen der Damen und Herren im Publikum, dies aber auf eine so nette und lockere Art, dass auch junge Menschen gern im Takt mitgingen. „Lasst die Kinder tanzen und hüpfen“, rief Bickmeier von der Bühne.

Genau so lief die Kurzweil bei Kaffee und Kuchen dann auch ab: ein paar Stunden, die den Menschen sichtbar ein Strahlen in die Gesichter zauberte. Die musikalische Vielfalt entführte die Gäste neben der Reise nach Russland oder dem Streifzug durch die böhmische Blasmusik unter anderem nach Berlin und auf eine Stippvisite nach Wien. Kaiserin Elisabeth von Österreich gab sich im edlen Gewande die Ehre, zu stehenden Ovationen von Henning Krenge in den Saal geführt.

Aus dem der Kaiserin gewidmeten Musical sang sie „Ich gehör nur mir“, überaus anspruchsvoll für Sängerin wie Orchester und brillant hingelegt. Im Kostüm steckte übrigens Gabi Timpe, eine Sängerin aus Leidenschaft. Sie gehört zur Kantorei in der Stadtkirche Königslutter und zelebrierte im weiteren Verlauf noch einen echten Schmachtfetzen: „One moment in time“ von Whitney Houston.

Fazit: Das Konzert war ein Plädoyer für die moderne Blasmusik. Vielleicht hilft es ja, denn auch den Musikverein Groß Steinum treiben Nachwuchssorgen um. Für ihr nächstes Konzert brauchen die Musiker wohl eine Halle.

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