Schädlingsbefall: Abholzen zur Rettung des Waldes - Neue Helmstedter
19. April 2019
Umwelt

Schädlingsbefall: Abholzen zur Rettung des Waldes

Revierförsterin Antje Feldhusen erklärt, warum in jüngster Zeit viele Bäume aus dem Lappwald entfernt worden sind

Antje Feldhusen ist Revierförsterin in Mariental und betreut unter anderen etwa 1100 Hektar Lappwald. Foto: Erik Beyen

Mariental. Antje Feldhusen macht sich Gedanken, und das gleich doppelt. Sie ist Revierförsterin in Mariental und betreut unter anderem gut 1100 Hektar Lappwald.

Ihre Sorgen gelten auf der einen Seite den Waldarbeitern, auf der anderen ihren Bäumen, ganz besonders den Fichten und Lärchen. Denen ist der Borkenkäfer unter die Rinde gegangen, der sichere Tod für die Bäume und eine echte Gefahr für den übrigen Bestand. Darum sind die Waldarbeiter derzeit schwer beschäftigt, die befallenen Bäume zu entfernen.

Offenbar findet das nicht jeder Waldbesucher oder gar Autofahrer gut. Bei einem Lokaltermin im Wald berichtet Feldhusen von verärgerten Menschen und einem Autofahrer, der angehalten habe, um die Waldarbeiter böse zu beschimpfen. „Ich glaube, die Leute können nicht nachvollziehen, was wir hier tun“, sagt sie.

Dabei seien die Arbeiten unumgänglich. Tatsächlich: Wer durch den Wald geht, glaubt an mancher Stelle an Kahlschlag. Große Flächen, die gemulcht und inzwischen wieder aufgeforstet sind, stechen förmlich ins Auge. Riesige Polter aus unzähligen Stämmen säumen manchen Weg, und immer wieder liegen geschlagene Bäume am Boden. Auch wenn das so wirkt, die grobe Axt ist wohl nicht durch den Wald marschiert.

Entfernt werde momentan, so Antje Feldhusen, sogenanntes Käferholz. Das sind eingangs erwähnte Lärchen und Fichten, die vom Borkenkäfer heimgesucht wurden. Und die Zeit drängt, denn die Käfer beginnen zu fliegen und sich zu vermehren, mit unheilvollen Folgen. „Wenn wir jetzt nicht gehandelt hätten, würde sich der Käfer weiter ausbreiten und größeren Schaden anrichten“, erklärt die Försterin. Abholzen zur Rettung des Waldes.

Der Borkenkäfer gehört zur Gruppe der Rüsselkäfer. Eigentlich befällt er kranke Bäume, bringt diese zum Absterben und schafft so Raum für neuen Baumbewuchs. Seine Brutgänge haben eine Struktur, die an Buchdruck erinnern, weshalb man den Käfer auch Buchdrucker nennt. Gesunde Bäume sollten sich in aller Regel wehren können, etwa mit Harz. Doch diese Theorie hinkt, wenn, wie am 18. Januar 2018 Friederike, ein Orkan oder gleich mehrere über das Land fegen. „Der Sturm war der Anfang vom Ende“, sagt Feldhusen, denn: „Danach kam die Trockenheit.“

Was letztere bewirkt hat, lässt sich an Fichten sehen. Bis unter die Krone sind die Äste abgestorben. Schlimmer noch: Fichten sind Flachwurzler. Bei langanhaltender großer Trockenheit und Hitze vertrocknen letztlich auch ihre Wurzeln. Beste Voraussetzungen für Stürme und den Käfer. Allein das sei der Grund für die Aktivitäten der Waldarbeiter, erzählt Feldhusen.

Apropos: Die Experten haben nicht nur geschlagen, sie haben auch massiv aufgeforstet. Riesige Flächen sind gemulcht und bepflanzt. Welche Bäume jeweils wachsen sollen, bestimmen sie mit Försterin Antje Feldhusen zusammen anhand verschiedener Parameter, etwa der Beschaffenheit des Bodens, des vorherigen Bestandes, der Historie und sogar Klimadaten ziehen sie heran. So passiert es, dass anstelle von Fichten und Lärchen Eichen gesetzt werden.

Antje Feldhusen bittet die Menschen um Verständnis und ruft sie auf: „Gehen Sie in den Wald, entdecken Sie die Natur. Frohe Ostern.“

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