Ein Herd, ein Gericht, viele Köche

Im Rahmen eines Kochkurses bereiten die Bewohner der Lebenshilfe leckeres Essen zu

Marija Kaspar (Mitte) bereitet gemeinsam mit Lisa Holzhauer und Ron-Georg Junker die Pommes zu. Foto: Lüer

Helmstedt. „Wer will mithelfen beim Gemüseschnippeln?“, fragt Marija Kasper die „Klosterblick“-Bewohner und sofort schnellen die Hände der anwesenden Männer und Frauen in die Höhe. Die Ernährungsexpertin zögert nicht lange und verteilt Sparschäler, Messer und Schneidebretter an die Kochliebhaber, die in der Wohnstätte der Lebenshilfe Helmstedt-Wolfenbüttel in der Wallgasse zu Hause sind. „Gesundheitspredigten kommen nicht an“, weiß die Kursleiterin. „Deshalb gibt es heute auch Hamburger und Pommes – aber eben mit den richtigen Zutaten.“

Die Rollen in der Küche sind klar verteilt: Routiniert schälen Lisa Holzhauer, Ron-Georg Junker, Hartmut Schmidt und Michael Jordan die Kartoffeln und schneiden sie in kleine Pommes-Streifen.

Zügig geht es auch in der „Grünzeug-Abteilung“ voran, in der das Gemüse, mit dem der Hamburger belegt werden soll, geschnippelt wird. Fast unbemerkt klaut Lisa-Marie Pecia einen Paprikastreifen und lässt sich von Kerstin Tomicki noch ein Stück Zucchini reichen. Probieren? Ausdrücklich erlaubt!

„Mit unseren unterschiedlichen Kurs-Angeboten bieten wir unseren Bewohnern pädagogische Betreuung und Begleitung an, um ihnen ein Höchstmaß an Selbstständigkeit, Eigenverantwortung und Freiheit zu ermöglichen“, macht Mathias Nowatzki, Leiter der Wohnstätte, deutlich. Geradewegs fügt Marija Kaspar hinzu: „Ich möchte kreative Anregungen geben und zeigen, dass das Essenzubereiten auch Spaß machen kann und ganz nebenbei viel gesünder ist.“

Im Kurs sollen die Bewohner der Lebenshilfe lernen, was richtig gute Lebensmittel sind, wie sie mit Gewürzen dem Essen den besonderen Pfiff geben, und sie bekommen eine Einführung in die Welt der Küchengeräte. Nebenbei werden auch motorische Fähigkeiten, die Arbeit im Team und soziale Kompetenzen geschult. „Gemeinsam wird geschnippelt, gerührt, gebrutzelt – und am Ende alles aufgegessen an einer von den Köchen selbst gedeckten Tafel“, erzählt Marija Kaspar. Denn auch die gehöre zum Genießen dazu.

„Es macht viel Spaß und man lernt immer etwas Neues“, meint Hartmut Schmidt, der regelmäßig bei der Essenszubereitung dabei ist. Und was der eine nicht kann, das übernimmt der andere. „Lass nur, ich helfe dir“, sagt Michael Jordan. Ich halte die Schüssel fest und du rührst um.“ Im Nullkommanichts ist die Soße für die Gemüse-Hamburger fertig gemixt.

Obwohl Marija Kaspar einen getakteten Ablaufplan vorgibt, kommt der Spaß in der Gruppe nie zu kurz: Konzentriert schneidet Lisa-Marie Pecia die Hamburger-Brötchen auf und schiebt die Körner-Brösel, die dabei auf den Tisch fallen, grinsend auf den Boden. „Ich glaube, hier muss nachher mal gekehrt werden“, lacht sie.

Aber das Saubermachen schließe sich nach dem Kochen sowieso an. Dass in der Küche manchmal auch ungeliebte Arbeiten anfallen können, weiß hier jeder in der Gruppe. „Abwaschen gehört zum Beispiel dazu“, findet Ron-Georg Junker. Das sei wirklich lästig. Wer wissen will, was er am Kochen am besten findet, bekommt eine ganz einleuchtende Antwort: „Das Essen“, sagt der 25-Jährige schlicht.

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