„Die Zuckerrübe hält gut mit“

Der Zuckerrübenanbauerverband Niedersachsen Ost informiert die Landwirte in einem Plenum

Sie informierten und stellten sich den Fragen der Zuckerrübenanbauern im voll besetzten Lindenhofsaal in Bornum: Johannes Brandt, Harm-Henning Wolters, Hermann Seekamp, Dr. Lars Gorissen und Cord Linnes (von links). Foto: Werner Gantz

Bornum. Der Zuckerrübenanbauerverband Niedersachsen Ost (ZAV) hatte am vergangenen Montag die Landwirte im Kreis Helmstedt in das Gasthaus „Lindenhof“ in Bornum zur traditionellen Winterversammlung eingeladen. Wegen der allgemeinen angespannten Lage in der Zuckerwirtschaft waren umfassende Information erforderlich, um gemeinsam mit der Nordzucker AG die Herausforderungen im Rübenanbau zu bewältigen.

Die aktuellen Entwicklungen der Märkte sowie die Inhalte und Konditionen für den Vertragsanbau ab der Kampagne 2020 wurden vorgestellt. In Biogas- und Photovoltaikanlagen wurde im Agrarbereich in den zurückliegenden Jahren investiert, weil im Ackerbau und in der Milch- und Fleischwirtschaft die Erträge auf den Höfen die Kosten nicht ausreichend deckten.

Der Zuckerrübenanbau war über viele Jahrzehnte der höchste Gewinnbringer. Der Wegfall der EU-Quotenregelung und der aktuell gefallene Weltmarktpreis für Zucker belasten diesen Anbau bedenklich. Dennoch steht bei den Bauern ganz oben an, ausreichend Lebensmittel für die Menschen zu produzieren. Die Verarbeitungsindustrie und der ZAV bemühen sich gemeinsam, mit den Früchten den Deckungsbeitrag stabil zu halten.

Im Rückblick wurde berichtet: Das Jahr 2017 war keines zum „Zuckerschlecken“. Mit schwierigen Bedingungen kennt sich die Branche aus und hat sich seit einigen Jahren auf die Deregulierung des europäischen Marktes eingestellt. Schwierigkeiten bereiten nunmehr unterschiedliche Bedingungen. In mehreren Mitgliedsstaaten sind Vorteile zugelassen. Der Wettbewerb sei damit erschwert.

Von Seiten der Politik werden daher Maßnahmen gefordert. „Wir wollen keine Sonderbehandlung, fordern aber Fair Play für unseren heimischen Rübenanbau“, stellte der Vorsitzende des Dachverbandes der Norddeutschen Zuckerrübenanbauer (DNZ) Helmut Beckwenn fest. Die Rübenpreismodelle der Nordzucker seien ein Anreiz für die Landwirte zum Weitermachen und die „süße Frucht“ weiter im Anbau zu halten.

ZAV-Geschäftsführer Cord Linnes verglich die Deckungsbeiträge von Rüben und den verschiedenen Getreidearten, auch unter Beachtung des Vorfruchtwertes. Ertragsschwankungen gab es im vergangenen Jahr durch die Wetterbedingungen und die Ackerbodengüte. Das Fazit seiner Ausführungen war deutlich: „Die Zuckerrübe hält gut mit.“

Der hohe Zuckergehalt von rund 20 Prozent brachte einen gewissen Ausgleich zum Mengenertrag. Für Helmstedt waren das mit insgesamt 57 Tonnen Rüben pro Hektar 32 Prozent weniger zum Vorjahr. „Nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern die Rübe in den Boden“, so lautete die Empfehlung von Johannes Brandt vom Rübenbüro.

Über die allgemeine Marktlage informierte Vorstandsvorsitzender Dr. Lars Gorissen von Nordzucker. Um weiterhin attraktiver Partner des ZAV zu sein, werde nach Gewinnzonen Ausschau gehalten. Werksschließungen und Fusionen seien hier nicht geplant. Der Einstieg zu 70 Prozent in drei Fabriken in Australien sei vorgesehen. Obwohl der Zuckerkonsum allgemein rückläufig sei, sehe das Unternehmen größere Absatzchancen in der wachsenden Weltbevölkerung.

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