Ein Hauch Zirkusluft bleibt immer

Anita Kempe aus Königslutter stand vor Jahrzehnten selbst als Artistin in der Manege

In alten Zirkus-Erinnerungen schwelgten Gerhard Kempe, Stepahnie Kempe und Anita Kempe (von links), hier mit einem Nachwuchsartisten. Foto: Andreas Stolz

Rhode. Am letzten Tag des Jahres 2018 wollte Anita Kempe aus dem Königslutteraner Ortsteil Rhode noch einmal Zirkusluft schnuppern. Da passte es gut, dass in Wolfsburg-Kästorf der kleine Familienzirkus „Bravo“ gastierte.

Doch nicht nur wegen der Präsentationen von spektakulärer Akrobatik und amüsanter Clownerie begab sich die 81-Jährige aus dem Landkreis Helmstedt zusammen mit Ehemann Gerhard und Tochter Stephanie in die Nachbarstadt. Anita Kempe frischte im Zelt der Artistenfamilie Lauenburger aus Norden eigene Erinnerungen auf. Sie stand vor Jahrzehnten selbst in der Manege und hat ein internationales Artistendiplom, das sie bis heute zu Hause aufbewahrt.

Und das kam so: „1945, kurz nach Kriegsende, mussten wir aus dem schlesischen Breslau nach Westen fliehen“, erzählt die agile Seniorin. Nach Aufenthalten in mehreren Lagern kamen meine Mutter und ich nach Berlin.“ Schon seit Kindesbeinen sei sie vom Zirkus fasziniert worden, fährt Anita Kempe fort. „In Berlin gab es Varietés, und ich habe oft hinter den Kulissen gestanden und zugeschaut“, äußert die Königslutteranerin.

Eines Tags habe ihre Mutter gesagt: „Wenn du es unbedingt willst, dann geh’ doch zum Zirkus.“ Das war der Anfang einer vertraglich geregelten, dreijährigen Artistenausbildung mit anschließender internationaler Prüfung.

Aufgetreten ist Anita Kempe damals mit der „Original Leiths Company.“ Sie erzählt: „Die Programmnummer waren so genannte ikarische Spiele. Zwei Männer lagen auf dem Rücken, streckten die Beine in die Luft und ließen mich von einem zum anderen fliegen.“

Später kam die Berlinern in die hiesige Region, arbeitete schließlich bei Volkswagen in Wolfsburg, lernte dort ihren Mann Gerhard kennen und zog mit ihm in ein Haus nach Rhode.

Die Liebe zum Zirkus ist über die Jahrzehnte gewiss erhalten geblieben. So wie auch das Artistendiplom und die Bilder aus der einstigen Akrobatenzeit.

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