• Home
  • > >
  • Die Macht der Frauen wurde schon immer unterschätzt

Die Macht der Frauen wurde schon immer unterschätzt

Vortrag von Professor Gerd Biegel über Gertrud von Süpplingenburg im Kaiserdom

Von der Stadt Königslutter und der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz (SBK): Dr. Norbert Funke (l.) und Professor Gerd Biegel beim diesjährigen Silvestervortrag..  Werner Gantzoh

Königslutter. Kaiser Lothar III. und der Dom in Königslutter stehen jedes Jahr am Silvestertag im Mittelpunkt der Vorträge von Prof. Dr. h.c. Gerd Biegel vom Institut für Braunschweigische Regionalgeschichte und Geschichtsvermittlung der TU Braunschweig. Das Interesse ist seit vielen Jahren ungebrochen groß und so füllen die Besucher immer wieder aufs Neue zu diesem Termin nachmittags die Kirche.

Silvester deshalb, weil am 31. Dezember 1137 die Grablegung des Kaisers stattfand und daran erinnert werden soll. Die Themenauswahl traf dieses Mal Gertrud von Süpplingenburg, die Tochter von Kaiser Lothar III. und Kaiserin Richenza. Sie starb 1143, also vor 875 Jahren, wenige Monate nach ihrer Hochzeit mit dem Markgrafen von Österreich, Heinrich II. Jasomirgott.

Es war ihre zweite Ehe und wieder eine politische Entscheidung. Nach dem überraschenden Tod ihres ersten Ehemannes, Herzog Heinrich dem Stolzen, kämpfte die Witwe Gertrud mit großem Geschick und politischer Entschlossenheit um das Erbe für ihren Sohn, Heinrich den Löwen. Es war ein Kampf nicht nur in Sachsen, sondern auch um Bayern, der schließlich in einem politischen Kompromiss mit König Konrad III. gelöst werden konnte und Gertrud durch ihre Heirat mit dem Markgrafen von Österreich, den auch das Reich bedrohenden Konflikt zwischen Welfen und Babenberger löste.
Nur wenig zeitgenössische Quellen liegen über Frauen vor, denn es galt die Überzeugung, dass Männer geboren sind, um zu herrschen und Frauen, um beherrscht zu werden. Die Vorstellung von einer politischen Aktivität oder gar Kompetenz hatte keinerlei Raum.

Eine Bestätigung der Geschlechterbeurteilung fanden im 13. Jahrhundert die „Herren“ in der ungeheuerlichen, theoretischen Dogmatisierung des Philosophen und Theologen Thomas von Aquin. Zitatauszug: Die Frau ist ein Missgriff der Natur, die volle Verwirklichung der menschlichen Art ist nur der Mann.

Zu den widerlegten Beispielen zählte damals auch Gertrud von Süpplingenburg. Sie war neben ihrer Mutter Richenza eine der wirkungsmächtigsten Frauen der braunschweigischen und welfischen Geschichte. Daran erinnerte mit seinem Vortrag Prof. Dr. Gerd Biegel in dem Dom, in dem Vater, Mutter und Ehemann beigesetzt sind.

Ergänzend wird an der Grablege auf Vorschlag von Dr. Norbert Funke über Gertrud eine Informationstafel angebracht: „Tochter von Kaiser Lothar III. und Kaiserin Richenza. Herzogin von Sachsen, Ehefrau Herzog Heinrichs des Stolzen, Mutter Heinrichs des Löwen, Herzogin von Bayern, Markgräfin von Österreich und Ehefrau von Markgraf Heinrich II. Jasomirgott. Beigesetzt in der Babenberger Grablege der Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz in Österreich.“

^