Nitrat: „Nicht nur die Landwirte“

Kreislandwirt weist Vorwürfe des VSR, für die hohe Belastung verantwortlich zu sein, zurück

Dass hohe Nitratwerte pauschal etwas mit der Landwirtschaft zu tun haben, lehnen die Landwirte im Kreis ab. pxhere/oh

Helmstedt. Kritik hat der Kreislandwirt Gerhard Rott an den Aussagen des VSR-Gewässerschutz geübt, über den die NH in der vergangenen Woche berichtete. Dabei ging es um die Nitratwerte im Grundwasser im Landkreis Helmstedt.

Laut VSR seien diese vor allem im ländlichen Raum stark gestiegen. Ein Grund für die hohen Belastungen sei die intensive Landwirtschaft. Die Umweltschützer fordern deshalb, dass landwirtschaftliche Flächen in Zukunft nur noch ökologisch bewirtschaftet werden.

Rott hält dagegen: „Die Landwirte bekommen hier den schwarzen Peter zugeschoben.“ Er ärgert sich über die seiner Ansicht nach einseitige Darstellung des VSR: „Es wird der Eindruck erweckt, als ob einzig und allein die Landwirte für Nitrat im Grundwasser verantwortlich seien. Dabei gibt es dafür auch noch eine ganze Reihe von anderen Faktoren.“

Rott erklärt: „Wir können nicht machen, was wir wollen. Seit Herbst des vergangenen Jahres ist die neue Düngeverordnung in Kraft, die alles streng reglementiert. Die Ströme für Futter, Gülle, Dünger und Mist müssen genau angegeben werden. Die Aufnahme und Abgabe von Gülle und Mist muss darüber hinaus schon seit Jahren dokumentiert werden. Wer dagegen verstößt, muss mit saftigen Strafen rechnen.“

Zudem seien die Brunnenwasser-Proben, die der VSR untersucht, zumeist aus dichten Siedlungsgebieten. „Hier findet überhaupt keine Landwirtschaft statt“, betont Rott. „Im Landkreis gibt es so gut wie keine moderne Tierhaltung mit großen Ställen.“ Lediglich die Kleintierhaltung in Dörfern, die eine Mistlagerung mit sich führt, oder die Kompostierung könnten hier eine Rolle spielen.

„Neben der Landwirtschaft gibt es weitere Quellen, aus denen Verunreinigungen mit einer Vielzahl von Stoffen in das Grundwasser gelangen können“, erläutert Rott. Zum Beispiel würden weitere Verunreinigungen durch Einträge aus Industrie und Verkehr verursacht, durch belastete Böden an alten Industriestandorten, undichte Kanäle oder Unfälle mit wassergefährdenden Stoffen.

„Für schlechte Nitratwerte in ländlichen Regionen nur die Landwirtschaft verantwortlich zu machen, greift aus diesem Grund viel zu kurz“, findet Rott.

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